Beim Mundhöhlenkarzinom (ICD-10: C06.9 – bösartige Neubildung: Mund, nicht näher bezeichnet) handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung (maligne Neoplasie) der Mundhöhle. Die meisten Tumoren der Mundhöhle (etwa 95 %) sind Plattenepithelkarzinome (PEC).
Dieser Tumor tritt bei Männern etwa dreimal so häufig auf wie bei Frauen.
Das mittlere Erkrankungsalter liegt im sechsten Lebensjahrzehnt.
Mundhöhlenkarzinome finden sich zumeist im Bereich des Mundbodens und am seitlichen Zungenrand. Der Oberkiefer ist am seltensten betroffen.
Symptome – Beschwerden
Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Arten des Mundhöhlenkarzinoms – die endophytisch und die exophytische Form. Etwa 99 % aller PEC der Mundhöhle wachsen endophytisch, also invasiv in das Gewebe hinein.
Klassisch ist ein Ulkus (Geschwür) sichtbar, der von einem aufgeworfenen Rand und einer roten Zone der Entzündung umgeben ist. Im Zentrum des Tumors kommt es häufig zu Nekrosen (Gewebeuntergang), denn der Tumor wächst so schnell, dass die Blutversorgung im Zentrum nicht gewährleistet ist.
Nur etwa ein Prozent der Tumoren wächst exophytisch, das heißt die Tumormasse sitzt dem Gewebe auf.
Eine Sonderform ist das verruköse (warzenförmige) Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle.
Ursachen
Zu den Hauptrisikofaktoren für die Entstehung eines Mundhöhlen-Plattenepithelkarzinoms zählen Nikotin und Alkohol. Ein Raucher hat ein 3-6-fach erhöhtes Risiko gegenüber einem Nichtraucher. Wird zusätzlich Alkohol konsumiert, erhöht sich das Risiko gegenüber dem Raucher, der nicht trinkt, noch einmal um 2,6 %. Der Hauptgrund dafür ist die Tatsache, dass der Alkohol die Mundschleimhaut permeabler (durchlässiger) für die Karzinogene (krebserregenden Stoffe) des Tabaks macht.
Weitere wichtige Risikofaktoren sind:
- schlechte Mundhygiene
- ein geschwächtes Immunsystem
- chronische mechanische Traumen
- virale Infektionen
- UV-und radioaktive Strahlung
Des Weiteren konnten in mehr als 50 % der Plattenepithelkarzinome in einer Studie (Cruz et al. 1996) humane Papillomaviren (HPV), zu mehr als zwei Drittel vom Typ 16, nachgewiesen werden. Ebenso wurden in mehr als der Hälfte der untersuchten Gewebeproben Epstein-Barr-Viren (EBV) festgestellt.
Mit Candida albicans (Pilzinfektion) infizierte Leukoplakien (sind Hautveränderungen, die aus einer weißlichen, begrenzten Veränderung der Schleimhäute bestehen, die in einen bösartigen Tumor übergehen können) oder Ulzera (Geschwüre) zeigen ein höheres Risiko der malignen Transformation (bösartige Entartung) als nicht infizierte Läsionen.
Folgeerkrankungen
Wird das PEC der Mundhöhle mittels Radiatio (Strahlentherapie) behandelt, so können strahlenbedingte Folgeschäden auftreten. Dazu zählen unter anderem:
- Radioxerostomie – strahlenbehandlungsbedingte Mundtrockenheit
- Strahlenkaries
- Radiogene Mukositis – strahlenbehandlungsbedingte Mundschleimhautentzündung
- Infizierte Osteoradionekrose – strahlenbehandlungsbedingter Knochenuntergang mit einer Infektion desselben
Diagnostik
Bei Verdacht auf ein PEC wird zunächst eine Biopsie (Gewebeprobe) genommen und histologisch (feingeweblich) untersucht. Bestätigt sich der Verdacht eines Karzinoms, folgen weitere Untersuchungen. Dazu zählt zunächst die Suche nach Metastasen (Tochtertumoren).
Ein Röntgen-Thorax (Röntgenaufnahme des Brustkorbes) und eine Skelettszintigraphie helfen, Metastasen in wichtigen Organen wie der Lunge und in den Knochen aufzufinden.
Um festzustellen, ob Halslymphknoten befallen sind und entfernt werden müssen, wird eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Lymphknotenstationen durchgeführt. Hiermit können jedoch keine Mikrometastasen nachgewiesen werden.
Eine Computertomographie (CT) gibt genaue Auskunft über Lage und Größe des Tumors.
Neuerdings wird zur weitergehenden Diagnostik des Mundhöhlenkarzinoms vorrangig die optische Kohärenztomographie (OCT) eingesetzt, die eine Abbildung von Gewebestrukturen in situ mit einer Auflösung im Mikrometerbereich ermöglicht und somit eine Beurteilung der Invasivität erlaubt.
Therapie
Anhand der durchgeführten Untersuchungen wird eine Therapieplanung gemacht. Diese beinhaltet fast immer die chirurgische Entfernung des Tumors. Ist nicht sicher, ob Mikrometastasen vorliegen, kann zunächst nur der Sentinel-Lymphknoten
(Wächter-Lymphknoten) entfernt und untersucht werden. Nur bei Befall
des Wächter-Lymphknotens erfolgt dann eine Neck-Dissection. Eine Neck-Dissection (Halspräparation) ist eine Radikaloperation mit Ausräumung aller Lymphknoten des Halses.
Bei fortgeschrittenem Stadium schließt sich mitunter eine Chemotherapie in Kombination mit einer Strahlentherapie an die Operation an.
Regelmäßige Kontrollen sind unerlässlich, um den Erfolg der Therapie zu kontrollieren und ein eventuell auftretendes Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors) frühzeitig zu erkennen.
Trotz der umfassenden Therapiemaßnahmen liegt die 5-Jahres-Überlebensrate nur bei etwa 50 %.
Daher gilt es, präventiv zu handeln, Nikotin und Alkohol zu meiden und eine adäquate Mundhygiene zu betreiben.
Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt tragen dazu bei, eventuelle Veränderungen der Mundschleimhaut frühzeitig zu erkennen und so rechtzeitig eine Therapie einleiten zu können.
Literatur
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