Odontogene Tumoren

Odontogene Tumoren sind Tumoren die von den Geweben ausgehen, welche an der Zahnbildung beteiligt sind.
Die häufigsten odontogenen Tumoren sind das Ameloblastom, das Odontom und das Zementoblastom. Alle drei sind benigne (gutartige) Tumoren.

Etwa 20 % aller odontogenen Tumoren sind Ameloblastome (ICD-10: G16.42 und G16.5 - Gutartige Neubildung des Knochens und des Gelenkknorpels: Maxillofazial (Oberkiefer)/Unterkieferknochen).
Obgleich ein Ameloblastom gutartig ist, so ist es dennoch durch ein lokal invasives Wachstum gekennzeichnet. Es tritt häufig in Assoziation mit Zysten auf, insbesondere mit Primordial- oder follikulären Zysten.

Meist treten Ameloblastome zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.

Einteilung nach WHO:

  • Solides/multizystisches Ameloblastom
  • Extraossäres/peripheres Ameloblastom
  • Desmoplastisches Ameloblastom
  • Unizystisches Ameloblastom

Symptome – Beschwerden

Da ein Ameloblastom oftmals keine Schmerzen verursacht, wird die Diagnose meist zufällig und häufig erst sehr spät gestellt.

Das Ausmaß des Tumors ist oftmals bereits bei Diagnosestellung sehr groß.

Bei ausgeprägtem Wachstum des Tumors kann es zur Schwellung, Verdrängung von Zähnen, Zahnlockerung, Zahnwurzelresorptionen oder zum Druck auf den Unterkiefernerv kommen, was zu Sensibilitätsstörungen führen kann.

Die Knochenkompakta ist mitunter papierdünn, was bei Palpation (Abtasten) das sogenannte „Pergamentknistern“ hervorrufen kann.
In mehr als 70 % der Fälle kommt es zu einem Einbruch des Tumors in die Mundschleimhaut.

Im Bereich des Oberkiefers auftretende Ameloblastome können zu einer behinderten Nasenatmung oder zu Nasenbluten führen.

Mehr als 80 % aller Ameloblastome treten im Unterkiefer auf. Davon finden sich etwa 70 % im Bereich der Molaren (Backenzähne) und dem aufsteigenden Unterkieferast. Trotz der Benignität (Gutartigkeit) des Tumors, welcher keine Metastasen (Tochtergeschwülste) ausbildet, liegt die Rezidivrate – Wiederauftreten des Tumors – bei über 30 %.

Pathogenese (Krankheitsentstehung) – Ätiologie (Ursachen)

Die Ätiologie des Ameloblastoms ist nicht genau geklärt. Eine Entwicklung aus Resten der Zahnleiste, den Malassez-Epithelresten oder dem Schmelzorgan wird angenommen.
Ein Auftreten in Zusammenhang mit odontogenen Zysten oder dem KZOT (keratozystischer odontogener Tumor) wurde ebenfalls beobachtet.

Folgeerkrankungen

Die Rezidivrate liegt mit über 30 % sehr hoch. Beim unbehandelten Ameloblastom kommt es in etwa zwei Prozent der Fälle zur malignen Entartung es entwickelt sich ein ameloblastisches Fibrosarkom.

Diagnostik

Radiologisch zeigt sich eine Osteolyse, entweder uni- oder multilokulär (ein- oder mehrkammerig). Eine seifenblasenähnliche Struktur kann vorliegen. Dennoch ist radiologisch keine Unterscheidung zwischen dem Ameloblastom und anderen raumfordernden Prozessen wie dem KZOT oder einer follikulären Zyste möglich.

Eine Magnetresonanztomographie des Kopfes (craniale MRT; cMRT; Kernspintomographie) kann dazu beitragen, eine Abgrenzung zum KZOT vorzunehmen.

Zur genauen Bestimmung bedarf es jedoch der histologischen Abklärung (feingewebliche Untersuchung). Man unterscheidet zwei histologische Haupttypen – den follikulären und den plexiformen Typ. Bei letzterem liegen die Zellen in netzartigen Verbänden vor, wohingegen beim follikulären Typ eine inselartige Zellanordnung vorzufinden ist. Die histologische Einteilung ist jedoch für Verlauf und Therapie von keiner großen Bedeutung.

Therapie

Die Therapie des Ameloblastoms besteht in dessen chirurgischer Entfernung, gegebenenfalls mit anschließender Rekonstruktion des Knochens im betroffenen Bereich. Dabei ist zu beachten, dass aufgrund der hohen Rezidivrate eine Resektion im Gesunden mit einem Sicherheitsabstand von einem Zentimeter erfolgen sollte. Oftmals ist es unumgänglich, eine Resektion (Entfernung) der betroffenen Kieferabschnitte vorzunehmen.

Anschließend muss eine zunächst temporäre – Rekonstruktion mittels Überbrückungsplatten (Titanplatten) erfolgen. Im Weiteren Verlauf kann dann die Platte entfernt und der Knochendefekt mit Hilfe eines autologen (körpereigenen) Knochentransplantates rekonstruiert werden. Hierzu werden mikrochirurgisch reanastomosierte (vaskularisierte) Knochentransplantate (Knochentransplantat mit Gefäßanteilen zur Wiederherstellung der Blutversorgung) verwendet, beispielsweise aus dem Beckenkamm oder der Fibula (Wadenbein).

Gegenüber avaskulären Knochentransplantaten (ohne Gefäßanteile) bieten die mikrochirurgisch anastomosierten Transplantate den Vorteil, dass eine gleichzeitige Weichgewebsanlagerung möglich ist. Die Resorptionsraten sind geringer und der Knochen heilt besser ein. Infektionen werden seltener beobachtet.

Ist der Knochen eingeheilt, so kann eine prothetische Versorgung erfolgen. Auch das Setzen von Implantaten im Bereich des Knochentransplantates ist heute möglich.

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