Speicheltest auf Candida albicans
Speicheltest auf Candida albicans ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den mikrobiologischen (feinbiologischen) Nachweis von Candida albicans aus Speichel oder anderen oralen (den Mund betreffenden) Proben bei Verdacht auf eine orale Candidose (Pilzinfektion der Mundschleimhaut). Der isolierte Speichelnachweis besitzt jedoch nur eine begrenzte diagnostische Aussagekraft, da Candida albicans auch bei klinisch gesunden Personen häufig als Kolonisationskeim (Besiedlungskeim) der Mundflora (natürliche Keimbesiedlung des Mundes) nachweisbar ist [1, 2]. Für die Diagnosesicherung einer oralen Candidose ist daher die Korrelation mit dem klinischen Befund obligat; bevorzugt wird ein gezielter Schleimhautabstrich aus der Läsion (krankhafte Veränderung) [1].
Synonyme
- Candida-Nachweis aus Speichel
- Oraler Candida-Nachweis
- Candida-Kultur aus Mundschleimhautabstrich
- Mykologische Diagnostik (Pilzdiagnostik) der oralen Candidose
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Speichelprobe
- Mundspülprobe
- Bevorzugt: Schleimhautabstrich oder Abklatschpräparat aus dem klinisch auffälligen Areal (Bereich)
- Vorbereitung des Patienten
- Keine Nahrungsaufnahme, kein Trinken, kein Zähneputzen und keine antiseptischen (keimhemmenden) Mundspülungen für mindestens 1-2 Stunden vor der Probenentnahme
- Wenn möglich keine lokale oder systemische antimykotische Therapie (Behandlung mit Medikamenten gegen Pilze) vor der Entnahme
- Bei Kulturentnahme möglichst vor Beginn einer antimykotischen Behandlung
- Störfaktoren
- Häufige asymptomatische (beschwerdefreie) Kolonisation der Mundhöhle, insbesondere bei älteren Patienten und Prothesenträgern [2]
- Vorbehandlung mit Antimykotika, Antibiotika oder antiseptischen Mundspülungen
- Xerostomie (Mundtrockenheit), verminderter Speichelfluss und mangelhafte Mundhygiene
- Nicht gezielte Probenentnahme ohne Bezug zur klinischen Läsion
- Unterschiedliche Sensitivität (Empfindlichkeit) und Spezifität (Treffsicherheit) von Direktmikroskopie, Kultur und molekularen Verfahren [1]
- Methode
- Direktmikroskopie des Nativpräparats oder gefärbten Präparats zum Nachweis von Sprosszellen, Pseudohyphen (scheinbaren Pilzfäden) und Hyphen (Pilzfäden)
- Kultureller Nachweis auf Pilznährmedien mit Speziesdifferenzierung (Unterscheidung der Pilzart) [1, 5]
- Bei therapierefraktären (gegen die Behandlung widerstandsfähigen) Verläufen gegebenenfalls Resistenztestung
- Molekulare Verfahren, z. B. Polymerase-Kettenreaktion (PCR), nur in Spezialfällen
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Geschlecht/Alter | Referenzbereich |
|---|---|
| Gesunde Erwachsene | Kein definierter Referenzbereich; Nachweis von Candida albicans möglich ohne Krankheitswert [1, 2] |
| Prothesenträger | Häufige Kolonisation; positiver Nachweis allein nicht beweisend für eine orale Candidose [2] |
| Patienten mit klinischem Verdacht auf orale Candidose | Kein validierter Schwellenwert im Speichel; Beurteilung nur zusammen mit Klinik und mikroskopischem bzw. kulturellem Befund [1] |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Für den Speichelnachweis existiert kein allgemein anerkannter quantitativer Grenzwert, ab dem sicher von einer behandlungsbedürftigen oralen Candidose ausgegangen werden kann [1, 2].
Indikationen
- Verdacht auf orale Candidose bei untypischem oder unklarem klinischem Befund
- Rezidivierende (wiederkehrende) oder therapieresistente orale Candidose [1, 3]
- Verdacht auf Non-albicans-Candida-Spezies oder verminderte Empfindlichkeit gegenüber Antimykotika
- Immunsuppression (Unterdrückung der Immunabwehr), z. B. bei HIV-Infektion, Tumorerkrankung, Organtransplantation (Organverpflanzung) oder systemischer Corticosteroidtherapie
- Diabetes mellitus, Xerostomie, Prothesenstomatitis (Entzündung der Schleimhaut unter einer Zahnprothese) oder Langzeittherapie mit inhalativen Corticosteroiden
- Differentialdiagnostische Abgrenzung gegenüber Leukoplakie (weißer Schleimhautfleck), Lichen planus (Knötchenflechte), aphthösen Läsionen (schmerzhaften Schleimhautgeschwüren) oder bakteriellen Schleimhautinfektionen
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Nachweis von Candida albicans in Speichel oder Abstrich ist allein nicht beweisend für eine Infektion [1, 2]
- Ein pathologischer (krankhafter) Befund wird wahrscheinlicher bei gleichzeitigem Nachweis von Pseudohyphen oder Hyphen im Direktpräparat und typischer Klinik [1]
- Besonders relevant sind weiße abstreifbare Beläge, erythematöse (gerötete) Schleimhautveränderungen, Brennen, Dysgeusie (Geschmacksstörung) und Mundwinkelrhagaden (Einrisse in den Mundwinkeln)
- Erniedrigte Werte
- Ein negativer Befund schließt eine orale Candidose nicht sicher aus [1]
- Falsch negative Ergebnisse sind insbesondere nach Vorbehandlung mit Antimykotika oder bei geringer Pilzlast möglich
- Spezifische Konstellationen
- Bei Prothesenträgern und älteren Patienten besteht häufig eine asymptomatische Kolonisation [2]
- Bei schweren, rezidivierenden oder atypischen Verläufen sollte nach einer zugrunde liegenden Grunderkrankung gesucht werden
- Persistierende nicht abstreifbare weiße Läsionen erfordern die differentialdiagnostische Abklärung einer Leukoplakie oder anderer potenziell prämaligner (möglicherweise vorstufenartiger) Schleimhautveränderungen [1, 3]
Weiterführende Diagnostik
- Gezielte klinische Untersuchung der Mundschleimhaut einschließlich Prothesenlager, Zunge und Mundwinkel
- Wiederholter Abstrich mit Kultur und Speziesdifferenzierung bei rezidivierendem oder therapierefraktärem Verlauf [1, 5]
- Antimykotika-Empfindlichkeitstestung bei Verdacht auf Resistenz
- Abklärung möglicher prädisponierender (begünstigender) Erkrankungen:
- Blutglucose bzw. HbA1c zum Ausschluss eines Diabetes mellitus
- HIV-Test bei Risikokonstellation
- Blutbild einschließlich Differentialblutbild zum Ausschluss einer Neutropenie (Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen)
- Bestimmung des Speichelflusses bei Verdacht auf Xerostomie
Klinische Hinweise
- Die Bezeichnung „Speicheltest auf Candida albicans“ ist fachlich nur eingeschränkt korrekt. Ein isolierter Speichelnachweis ist nicht als eigenständiger diagnostischer Standard für die orale Candidose validiert. Bevorzugt wird ein gezielter Abstrich aus der klinisch auffälligen Schleimhautläsion [1, 2].
- Die frühere Aussage, dass bei etwa 70 % aller gesunden Personen Candida albicans nachweisbar sei, ist nach aktueller Evidenz zu pauschal und nicht haltbar. Die Kolonisationsrate variiert deutlich in Abhängigkeit von Alter, Prothesenstatus, Mundhygiene, Speichelfluss und verwendeter Nachweismethode [2, 5].
- Die Diagnose einer oralen Candidose bleibt primär eine klinische Diagnose. Die mikrobiologische Untersuchung dient vor allem der Bestätigung bei atypischen, rezidivierenden oder therapieresistenten Verläufen [1, 3].
- Bei rezidivierender oder therapierefraktärer oraler Candidose sollte konsequent nach Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, HIV-Infektion, Xerostomie, inhalativer Corticosteroidtherapie, Immunsuppression oder mangelhafter Prothesenhygiene gesucht werden [1, 3].
- Ein positiver Nachweis im Speichel ohne klinische Symptome rechtfertigt in der Regel keine antimykotische Therapie [1, 2].
Literatur
- Lu SY. Oral Candidosis: Pathophysiology and Best Practice for Diagnosis, Classification, and Successful Management. J Fungi (Basel). 2021;7(7):555. https://doi.org/10.3390/jof7070555
- Tamai R, Kiyoura Y. Candida Infections: The Role of Saliva in Oral Health—A Narrative Review. Microorganisms. 2025;13(4):717. https://doi.org/10.3390/microorganisms13040717
- Husband K, Hayes E. A Guide to the Diagnosis and Management of Oral Candidosis for Dental Professionals. Oral Health Prev Dent. 2025;14(2). https://doi.org/10.1177/20501684251351386
- Czajka KM, McIsaac C, Rapley T et al. Signs and Symptoms of Oral Candidiasis Associated with Antifungal Treatment Failure in Older Adults. Front Oral Health. 2025;6:1661524. https://doi.org/10.3389/froh.2025.1661524
- Karajacob AS, Azizan NB, Al-Maleki ARM et al. Candida Species and Oral Mycobiota of Patients Clinically Diagnosed with Oral Thrush. PLoS One. 2023;18(4):e0284043. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0284043