Unter einem Langzeitprovisorium versteht man eine vorübergehende Versorgung von beschliffenen oder fehlenden Zähnen über einen längeren Zeitraum.
Die Provisorien dienen als Überbrückung der Zeit bis zum Einsetzen der endgültigen Versorgung, beispielsweise einer Brücke oder einer Krone.
- Schutz des Zahnes vor mechanischen, thermischen oder chemischen Reizen
- Schutz vor Bakterien
- Verbesserung der Ästhetik bis zur endgültigen Versorgung
- Aufrechterhaltung der Kaufunktion
- Veränderungen im Verhältnis von Ober- und Unterkiefer werden verhindert
- Überbrücken der Ausheilungszeit
- Korrektur der Okklusion, also der Verzahnung der Zähne untereinander
- Verhinderung von Zahnwanderungen
Soll die Okklusion (Zusammenbiss der Zähne) oder Kieferrelation geändert werden, bedeutete dies unter
Umständen eine große Veränderung für den Patienten. Um sicherzustellen, dass die
ermittelte Kieferrelation oder Okklusion korrekt ist und langfristig
auftretende Beschwerden bei falscher Relation zu vermeiden, werden
Langzeitprovisorien eingesetzt. Korrekturen sind dann noch möglich.
Erst, wenn
Behandler und Patient zufrieden sind und eine ausreichend lange Tragezeit von
mehreren Monaten das Behandlungsergebnis stabilisiert hat, wird der definitive
Zahnersatz eingegliedert. Dieser kann zunächst provisorisch zementiert werden.
Bleibt der Patient beschwerdefrei, kann das definitive Zementieren erfolgen.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Änderungen der Kieferrelation
- Änderungen der Okklusion (Zusammenbiss der Zähne)
- Überbrücken der Ausheilungszeit
- Überbrücken bei fragwürdiger Erhaltungswürdigkeit von Pfeilern
- Änderungen der Ästhetik
- Änderungen der Phonetik (Teil der Lautlehre, untersucht die Faktoren und Komponenten sprachlicher Laute)
- Zähne mit unsicherer endodontischer Prognose (wurzelbehandelte Zähne)
- Palliative Versorgung von Tumorpatienten
Die Herstellung
Zur Anfertigung der Provisorien gibt es zwei Möglichkeiten:- Die einfachste ist die sogenannte direkte Herstellung. Dabei wird das Provisorium unmittelbar im Mund des Patienten aus Kunststoff angefertigt.
- Eine weitere Variante ist die indirekte Herstellung, wobei ein Abdruck der beschliffenen Zähne genommen und in ein Labor geschickt werden muss. Dort wird dann ein Provisorium angefertigt, welches später vom Zahnarzt mit Hilfe eines provisorischen Zementes eingesetzt wird.
Langzeitprovisorien werden mit Hilfe eines später leicht wieder zu entfernenden Zements befestigt. Meist handelt es sich dabei um Zinkoxid-Eugenol-Zemente. Soll jedoch der später einzusetzende Zahnersatz adhäsiv befestigt werden, muss ein eugenolfreier Zement verwendet werden.
Bei großen Brückenprovisorien oder bogenförmigem Verlauf muss zur Stabilisierung
ein Metallgerüst in das Provisorium eingearbeitet werden, welches anschließend
mit zahnfarbenem Kunststoff verblendet wird. Dies kann nur im zahntechnischen
Labor hergestellt werden.
In der Regel bleibt diese Versorgung zwischen drei und zwölf Monaten im Mund und wird dann gegen die endgültige Krone oder Brücke ausgetauscht.
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Bei parodontal und endodontisch gesunden Pfeilern mit guter Prognose, wenn keine Korrekturen der Okklusion oder Kieferrelation erfolgen sollen, sind Langzeitprovisorien nicht indiziert.
Ihr Nutzen
Ein Langzeitprovisorium ist unerlässlich, um den Zahn zu schützen und in seiner Lage zu sichern.
Korrekturen der Kieferrelation oder Okklusion können vor der definitiven
Umsetzung ausprobiert und angepasst werden, bis die optimale Position gefunden
ist.
Des Weiteren stellt es die Kaufunktion im Seitenzahnbereich und die natürliche Ästhetik wieder her.
Das Provisorium garantiert eine schmerzfreie Zeit bis zum Einsetzen des endgültigen Zahnersatzes und garantierte ebenso eine genaue Passform der späteren Krone oder Brücke.
Literatur
- Handel G. Stellungnahme der DGZMK. Langzeitprovisorien. DZZ 57 (8) (2002)










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