Hilfsmittel zur täglichen Mundhygiene

Zahnseide und Co.

Die Zahnpflege hat heute einen hohen Stellenwert. Gepflegte Zähne gelten als attraktiv und strahlen Lebensfreude, Gesundheit und Wohlbefinden aus.

Um die Zähne lebenslang gesund und frei von Karies und Parodontitis zu halten, sind die wesentlichen Faktoren einer optimalen Basis-Mundhygiene zunächst einmal:

  • zweimal täglich die Verwendung einer fluoridhaltigen Zahnpaste
  • die Wahl einer effizienten Zahnbürste
  • die richtige Anwendung einer effizienten Putztechnik im gesamten Gebiss, also auch an schwer zugänglichen Stellen wie den Zahnzwischenräumen und den Bereichen hinter den letzten Molaren (den großen Backenzähnen).

Im individuellen Fall reichen diese Basismaßnahmen jedoch oftmals nicht aus. Zur effektiven Vorbeugung oraler Erkrankungen ist die Erweiterung der Basishygiene um die Anwendung zusätzlicher Hilfsmittel von entscheidender Bedeutung.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Der Einsatz von Mundhygienehilfsmitteln zur Ergänzung der Basismaßnahmen empfiehlt sich immer dann, wenn die Zähne nicht lückig stehen. Da der Zahnbogen üblicherweise ohne Lücken ausgeformt ist, bedeutet dies, dass die überwiegende Mehrzahl der Menschen täglich zu Hilfsmitteln greifen sollte, die die Effektivität der Interdentalhygiene (Zahnzwischenraumhygiene) steigern. Es bedeutet auch, dass Eltern, die die Zähne ihrer Kinder bis ins Schulalter hinein nachputzen sollten, bereits die Verwendung von Zahnseide zur Zahnzwischenraumreinigung der kindlichen Sechs-Jahr-Molaren zur täglichen Routine werden lassen sollten.

I. Zahnseide

Die Zahnseide dient der Reinigung enger Interdentalräume (Approximalräume, Zahnzwischenräume), die vollständig von der Interdentalpapille (dreieckförmiger Zahnfleischbereich zwischen den Zähnen) ausgefüllt sind, sodass die Verwendung eines Interdentalbürstchens nicht möglich ist. Sie wird einmal täglich verwendet, um Nahrungsreste und Plaque (bakteriellen Zahnbelag) in den Interdentalräumen zu lockern und zu entfernen, da diese Engstellen auch bei einer effizienten Putztechnik mit der Zahnbürste nicht vollständig zu erreichen sind. Deswegen stellen die Approximalräume eine sogenannte Prädilektionsstelle für die Kariesentstehung dar: gerade zwischen den Zähnen bildet sich bevorzugt Karies, die hier als Approximalkaries (Zahnzwischenraumkaries) bezeichnet wird.

Zahnseide ist in verschiedenen Varianten im Handel erhältlich:

  • glatt gewachst
  • glatt ungewachst
  • flauschig: ein Anhaften der Beläge an der Zahnseide wird begünstigt, sie ist jedoch nur schwer über sehr enge Kontaktpunkte zu bewegen.
  • mit verstärktem Ende (Superfloss®): zum Einfädeln z. B. unter Brückengliedern (Mittelteil einer Brücke), verblockten (miteinander verbundenen) Kronen, Stegen oder Geschieben
  • mit Fluoriden beschickt
  • auf kleine Träger aufgezogen zur leichteren Handhabung (z. B. Oral B Flossette®)

Das Verfahren

  • Ein ca. 40 cm langes Stück Zahnseide wird zunächst um beide Mittelfinger gewickelt, sodass ein Verrutschen oder Nachgeben nicht mehr möglich ist und ein ca. 10 cm langes Mittelstück verbleibt.
  • Dieses wird gespannt und in den Zahnzwischenraum eingeführt, wobei es mit Gefühl über den Kontaktpunkt (Berührungspunkt der Zähne) bewegt werden muss, um eine Verletzung der Interdentalpapille zu vermeiden.
  • Unterhalb des Kontaktpunktes wird die Seide, nach wie vor gespannt, mit leichten Bewegungen auf und ab geführt – keine Sägebewegungen!
  • nach jedem Zahnzwischenraum die Zahnseide unter fließenden Wasser reinigen, ggf. ein neues Stück verwenden, um eventuell vorhandene Keime und Bakterien nicht in andere Bereiche zu verschleppen.

Beachte: Der Umgang mit Zahnseide sollte möglichst früh eingeübt und im Alter beibehalten werden.

II. Interdentalbürstchen

Interdentalbürsten (Zahnzwischenraumbürstchen) sind das Mittel der Wahl zur Reinigung der Zahnzwischenräume. Selbst bei jugendlichen Erwachsenen bieten die Zahnzwischenräume meist genügend Platz, um ein Interdentalbürstchen mit geringem Durchmesser zu verwenden. Hierfür muss nicht zwingend ein Rückgang der Interdentalpapille vorliegen. Das bedeutet, dass auch bei parodontal gesunden Zähnen (mit gesundem Zahnhalteapparat) Zahnzwischenraumbürstchen verwendet werden können und sollten.

Zahnzwischenraumbürstchen stehen von etlichen Herstellern in aufsteigenden ISO-Größen zur Verfügung und werden wie Zahnseide einmal täglich verwendet.

Die Bürstchen müssen häufiger als die Zahnbürste ausgetauscht werden, da sie, besonders beim Anfänger, leicht verbiegen und danach schwieriger zu handhaben sind. Ihre Lebensdauer beträgt ca. 14 Tage.

Das Verfahren

  • Das Bürstchen wird ohne Zahnpaste in horizontaler Richtung in den Zahnzwischenraum eingeführt. Bei den vorderen Backenzähnen empfiehlt sich das Einführen von bukkal (von der Wangenseite der Zähne aus), während bei den letzten Backenzähnen ggf. von oral (von der Zungenseite aus) gearbeitet werden muss.
  • Wird das Bürstchen schräg eingeführt, kann die Zahnfleischtasche verletzt werden.
  • Das Bürstchen wird einige Male vorsichtig horizontal hin und her bewegt.
  • Liegt eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) vor, so wird das Zahnfleisch u. U. zu Beginn der Anwendung mit einer Blutung reagieren. Nach wenigen Tagen wird sich die Gingivitis zurückgebildet haben. Sollte das Bürstchen nun leichter gängig sein, ist die Ursache hierfür kein pathologischer (krankhafter) Zahnfleischrückgang, sondern der Rückgang der entzündungsbedingten Zahnfleischschwellung.
  • Nach jedem Zwischenraum wird das Bürstchen unter fließendem Wasser gereinigt. Bei starker Verschmutzung sollte der letzte Zwischenraum nochmals gereinigt werden.

III. Zahnhölzchen

Zahnhölzchen dienen der Reinigung von Interdentalräumen, die weit offen liegen, weil die Papille (dreieckförmiger Zahnfleischbereich zwischen den Zähnen) stark zurückgegangen ist. Sie haben die Form eines Dreikants und werden wie Interdentalbürstchen von bukkal (von der Wangenseite der Zähne aus) horizontal eingeführt. Sie zeigen im Vergleich zu Interdentalbürstchen größeren Durchmessers den Vorteil, dass sie nicht verbiegen, wohl aber brechen können. In ihrer Reinigungsleistung stehen sie den Bürstchen nach.

IV. Zungenreiniger (Zungenschaber)

In den Furchen und Nischen der Zunge sammeln sich feinste Speisereste und andere organische Stoffe an, die den im Mund lebenden Bakterien als Nahrung dienen. Produzieren diese Bakterien flüchtige schwefelhaltige Verbindungen, so sind diese die Ursache für Halitosis (Synonyme: foetor ex ore, Halitose), einen sehr unangenehmen Mundgeruch. Um die Nahrungsgrundlage der Bakterien zu reduzieren, muss auch die Zunge täglich gereinigt werden.

Hilfsmittel zur Zungenreinigung sind in verschiedenen Varianten erhältlich. Borsten oder Noppen und Lamellen lockern den Zungenbelag auf. Mit Zungenschabern können die lockeren Beläge entfernt werden. Als einfachste Variante empfehlen sich die Borsten der ohnehin vorhandenen Zahnbürste, deren geringere Breite allerdings im Vergleich mit den Zungenreinigern von Nachteil ist. Spezielle Halitosis-Zahnbürsten bieten ein Noppenfeld auf der Rückseite des Bürstenkopfes zur Zungenreinigung (z. B. meridol® Halitosis Zahnbürste).

Allen Reinigern gemeinsam ist, dass sie einer wie der andere den Würgereflex auslösen können. Mit zunehmender Übung wird der Reflex zwar nicht geringer, aber Sie werden lernen, den auslösenden Bereich zu umgehen.

V. Mundspüllösungen

Mundspülungen sollten prinzipiell nicht von Kindern im Vorschulalter benutzt werden. Mundspüllösungen zeigen ihre Wirkung weniger durch den Spülvorgang selbst als vielmehr durch ihre Inhaltsstoffe, die allerdings auch in Zahnpasten zu finden sind:

  • Mundspülungen mit Chlorhexidin senken die Bakterienzahl im Mund und werden zur Behandlung bei Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) eingesetzt. Sie sind in akuten entzündlichen Phasen, nicht aber zur täglichen Ergänzung der Mundhygiene indiziert.
  • Fluoridhaltige Mundspülungen dienen der Kariesprophylaxe. Die hierzulande gebräuchlichsten Fluoridverbindungen sind Natrium-, Zinn- und Aminfluorid. Fluoride wirken in mehrfacher Hinsicht kariesprotektiv:
    • sie fördern die Remineralisation (Einbau von Mineralstoffen) der Zahnsubstanz,
    • verringern deren Säurelöslichkeit,
    • bilden eine für die Remineralisation wichtige Calciumfluorid-Deckschicht auf der Zahnoberfläche,
    • hemmen den bakteriellen Zuckerabbau und
    • hemmen die Anhaftung der Bakterien an die Zahnoberfläche.
  • Spüllösungen gegen Halitosis (Mundgeruch) neutralisieren die geruchsbildenden Schwefelverbindungen (z. B. Zinnlaktat in Meridol® Halitosis Mundspülung) und wirken durch die enthaltenen Fluoride antibakteriell. Die Spüllösung hat der Zahnpaste gegenüber den Vorteil, dass sie auch den Zungengrund erreicht, der aufgrund des Würgereizes nicht mit Zahnbürste und -paste gereinigt werden kann.
  • Mundspülungen gegen empfindliche Zahnhälse wirken schmerzlindernd durch Kaliumsalze und mechanischen Verschluss der offenen Dentinkanälchen im Zahnhalsbereich.

Mögliche Nebenwirkungen von Mundspüllösungen sind Verfärbungen, Geschmacksstörungen (Dysgeusie) und Schleimhautirritationen.

Literatur

  1. Dörfer CE, Schiffner U, Staehle HJ: Häusliche mechanische Zahn- und Mundpflege. Stellungnahme der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. DZZ 62 (09) (2007)
  2. Roulet JF, Fath S & Zimmer S. (2017). Zahnmedizinische Prophylaxe (5. Aufl.). Elsevier, München / Urban & Fischer.
  3. Weber T. (2017). Memorix Zahnmedizin (5. unveränderte Aufl.). Thieme Verlag.
  4. Hellwege KD. (2018). Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe (7. aktualisierte und erweiterte Aufl.). Thieme Verlag.