Bissflügelaufnahme (Bitewing)
Die Bissflügelaufnahme (Bitewing) ist ein intraorales, zweidimensionales Röntgenverfahren und gilt als Referenzstandard zur Detektion und Graduierung approximaler Kariesläsionen (Karies zwischen den Zähnen) [1, 2]. Ferner besitzt sie einen hohen Stellenwert für die Diagnostik von Sekundärkaries (Karies an bestehenden Füllungen), die Beurteilung des krestalen Alveolarknochens (Kieferknochen im Bereich der Zahnzwischenräume) sowie das Kariesmonitoring (Verlaufskontrolle von Karies) im Rahmen eines präventiv ausgerichteten Betreuungskonzeptes [1-3]. Ihr besonderer Nutzen liegt in der ergänzenden röntgenologischen Diagnostik nach klinischer Untersuchung und individueller Kariesrisikobewertung [1-3]. Die Anwendung erfolgt indikationsbezogen unter Berücksichtigung strahlenschutzrechtlicher Vorgaben [3].
Synonyme
- Bitewing-Aufnahme
- Bissflügelröntgen
- Bissflügelröntgenaufnahme
- Interproximalaufnahme
Beurteilbare Strukturen
- Zahnkronen der Ober- und Unterkieferzähne im Seitenzahnbereich
- Approximalflächen (Zahnzwischenräume)
- Schmelz-Dentin-Grenze (Übergang zwischen Zahnschmelz und Zahnbein)
- Okklusale Läsionen (Karies auf den Kauflächen) mit dentinärer Ausdehnung
- Krestales Alveolarknochenniveau (Höhe des Kieferknochens zwischen den Zähnen)
- Füllungsränder und Restaurationsgrenzen
- Approximal gelegene Konkremente (Zahnstein zwischen den Zähnen)
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Detektion und Graduierung approximaler Kariesläsionen (Karies zwischen den Zähnen) [1, 2]
- Diagnostik von Sekundärkaries (Karies an bestehenden Füllungen) an Restaurationsrändern [1, 2]
- Kariesmonitoring (Verlaufskontrolle von Karies) bei initialen und nicht-kavitierten Läsionen [1, 4]
- Verlaufskontrolle im Rahmen eines individualisierten Recall-Systems (regelmäßige Kontrolluntersuchungen) [3, 4]
- Ergänzende Diagnostik okklusaler Dentinläsionen (Karies auf den Kauflächen im Zahninneren) [1, 2]
- Parodontologische Beurteilung (Beurteilung des Zahnhalteapparates) des krestalen Knochenabbaus
- Kontrolle direkter und indirekter Restaurationen (Zahnfüllungen und Zahnersatz)
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
- Schwangerschaft (relative Kontraindikation; strenge rechtfertigende Indikationsstellung)
- Fehlende rechtfertigende Indikation gemäß Strahlenschutzrecht
- Fragestellungen, bei denen andere Verfahren diagnostisch überlegen oder ausreichend sind
Strahlenschutz und Indikationsstellung
- Rechtfertigende Indikation vor jeder Exposition gemäß Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) und Strahlenschutzverordnung (StrlSchV)
- Anwendung des ALARA-Prinzips bzw. patientenspezifisch-indikationsorientierter Strahlenschutzkonzepte [3]
- Indikationsstellung erst nach klinischer Untersuchung und individueller Kariesrisikobewertung [1, 3, 4]
- Wiederholungsintervalle alters-, befund- und risikoadaptiert [3, 4]
- Bei hoher Kariesaktivität kürzere, bei kariesfreien oder stabilen Verhältnissen längere Kontrollintervalle [3, 4]
- Besondere Zurückhaltung bei Kindern und Jugendlichen unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung [3]
- Dokumentation von Indikation, Aufnahme und Befundung
Das Verfahren – Technik
- Intraorale Positionierung eines Sensors oder einer Speicherfolie im Bissflügelhalter
- Standardisierte Projektion zur gleichzeitigen Darstellung der Kronenanteile beider Kiefer im Seitenzahnbereich
- Möglichst überlagerungsfreie Abbildung der Approximalräume durch korrekte horizontale und vertikale Einstelltechnik
- Digitale Detektorsysteme mit reduzierter Strahlenexposition
- In der Regel Anfertigung seitengetrennter Aufnahmen des Seitenzahnbereichs
Das Verfahren – Ablauf der Untersuchung
- Aufklärung und Einwilligung des Patienten
- Positionierung des Sensors im Bissflügelhalter
- Fixation durch kontrolliertes Zubeißen
- Ausrichtung der Röntgenröhre auf eine projektionstechnisch korrekte Darstellung der Approximalräume
- Kurzzeitige Exposition
- Digitale Bildverarbeitung und standardisierte Befundung
Mögliche Befunde
- Approximale Schmelz- und Dentinkaries (Karies zwischen den Zähnen)
- Sekundärkaries (Karies an bestehenden Füllungen) [1, 2]
- Okklusale Dentinläsionen (Karies auf den Kauflächen im Zahninneren) [1, 2]
Literatur
- Schwendicke F, Göstemeyer G. Conventional bitewing radiography. Clin Dent Rev. 2020;4:22. https://doi.org/10.1007/s41894-020-00086-8
- Kühnisch J, Aps JK, Splieth C et al.: ORCA-EFCD consensus report on clinical recommendation for caries diagnosis. Paper I: caries lesion detection and depth assessment. Clin Oral Investig. 2024;28:227. https://doi.org/10.1007/s00784-024-05597-3
- Kühnisch J, Anttonen V, Duggal MS et al.: Best clinical practice guidance for prescribing dental radiographs in children and adolescents: an EAPD policy document. Eur Arch Paediatr Dent. 2020;21(4):375-386. https://doi.org/10.1007/s40368-019-00493-x
- Neuhaus KW, Kühnisch J, Banerjee A et al.: How to assess caries lesion activity and caries progression? A joint ORCA and EFCD expert Delphi consensus statement. Caries Res. 2024;58(5):511-520. doi: 10.1007/s00784-024-05597-3
- Dioguardi M, Guerra C, Sovereto D et al.: Radiographic artifacts in the diagnosis of dental caries: systematic review with meta-analysis. Oral Radiol. 2026;42(2):281-296. https://doi.org/10.1007/s11282-025-00879-2