Sportlermundschutz

Bei einem Sportlermundschutz (Synonyme: Sport-Mundschutz; Mundschutz-Schiene) handelt es sich um eine prophylaktisch (vorbeugend) getragene Zahnschiene aus flexiblem Kunststoff, die vor allem bei der Ausübung von Kontaktsportarten und Sportarten mit Sturzgefahr eingesetzt werden sollte.

Zielsetzung des Sportlermundschutzes

  • Schutz der Zähne und des Kieferbereichs: Ein Sportlermundschutz dämpft und verteilt die Kräfte, die durch Schläge oder Stöße im Bereich des Mundes entstehen, und kann so das Risiko von Brüchen, Zahnverlust und anderen Verletzungen reduzieren.
  • Prävention von Gehirnverletzungen: Durch die Absorption und Umverteilung der auf den Kiefer einwirkenden Kräfte kann auch das Risiko einer Gehirnerschütterung verringert werden.
  • Schutz der Weichteile: Die Abdeckung von Zähnen und Mundschleimhaut minimiert das Risiko von Schnitten und Abschürfungen an Lippen, Zunge und Wangen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Bis zu 39 % aller Zahn- und Mundverletzungen sind durch Sportunfälle bedingt. Dabei sind wiederum in 80 % der Fälle die oberen Schneidezähne betroffen, und nicht selten führen diese Verletzungen zum Verlust eines oder sogar mehrere Zähne. Angesichts solcher Tatsachen stellt ein vorbeugender Mundschutz einen wirkungsvollen und vergleichsweise einfachen Schutz dar. Seine Schutzwirkung betrifft:

  • Zähne,
  • Mundschleimhaut,
  • Lippen,
  • Zunge,
  • Kieferknochen,
  • Kiefergelenke und
  • Gehirn: denn wenn die auf den Unterkiefer einwirkenden Kräfte nicht durch die verhältnismäßig weiche, sich elastisch verformende Schiene abgedämpft werden, überträgt der Unterkiefer die Kräfte weiter auf den Schädel und somit auf das Gehirn. Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) kann die Folge sein.

Der Sportlermundschutz wird in der Regel auf den Oberkieferzähnen angepasst. Er muss das Zahnfleisch mit abdecken, darf den Unterkiefer in seiner Position nicht stören und darf natürlich auch die sportliche Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigen. Bei Kindern ist die Anpassungsfähigkeit an das wachsende Gebiss und festsitzende kieferorthopädische Apparaturen erstrebenswert.

Die DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) empfiehlt das Tragen einer Mundschutz-Schiene bei folgenden Sportarten:

  • American Football
  • Baseball
  • Basketball
  • Boxen und andere Kampfsportarten
  • Eishockey
  • Feldhockey
  • Fußball
  • Geräteturnen
  • Handball
  • Inlineskating
  • Radsport, vorwiegend Mountainbiking
  • Reiten
  • Rugby
  • Skate-Boarding
  • Wasserball

Die Verfahren

Zur Verfügung stehen drei verschiedene Möglichkeiten, die sich in Herstellungsart und -kosten und dem damit korrelierenden Tragekomfort und der Schutzwirkung unterscheiden:

I: Konfektionierter, nicht anpassbarer Mundschutz: Es handelt sich hierbei um Gummischienen aus dem Sportfachhandel, die nicht individuell an die Zähne adaptierbar sind und durch Zusammenbeißen gehalten werden müssen. Dementsprechend sind das Sprechen und die Atmung durch den Mund stark beeinträchtigt. Außerdem resultiert aus der nur teilweisen Ummantelung der Zähne die vergleichsweise ungünstigste Schutzfunktion.

II: Konfektionierter, individuell anpassbarer Mundschutz: bei diesen vorgefertigten Schienen aus dem Sportfachhandel handelt es sich um sogenannte Thermoplaste, d. h. unter Wärmeeinfluss verformbare Materialien. Die Schienen werden in kochendem Wasser verformbar und in diesem Zustand im Mund individuell angepasst. Die erreichbare Schutzwirkung ist somit stark von der Qualität der Anpassung abhängig.

III: Individuell hergestellter Mundschutz: er bietet den höchsten Tragekomfort und durch die optimale Passform den höchsten Schutz. Die Herstellung verläuft wie folgt:

  • Abformung beider Kiefer;
  • Konstruktionsbissnahme zur Übertragung der Lagebeziehung von Ober- und Unterkiefer ins zahntechnische Labor, wobei auch ein Abstand von 4-5 mm zwischen Ober- und Unterkieferschneidezähnen in das Registrat einfließt, um Platz für das Schienenmaterial zwischen den Zähnen zu schaffen
  • Herstellen von Gipsmodellen durch Ausgießen der Abformungen im zahntechnischen Labor
  • Schienenherstellung im thermoplastischen Tiefziehverfahren aus 3 bis 4 mm dicken Ethylvinylacetat- oder Polyvinylacetat-Folien
  • Konstruktionsmaßgaben: Abdeckung der Mundschleimhaut im Vestibulum (Mundvorhof, Raum zwischen Lippen und Zähnen) bis 2 mm unterhalb der Umschlagfalte, Abdeckung des Gaumens bis zu 1 cm. Je nach Sportart werden unterschiedliche Weichheitsgrade des Materials gewählt. Der Mundschutz hat ein Relief auf der den Oberkieferzähnen abgewandten Seite, in das die Unterkieferzähne okkludieren (einbeißen), ohne dabei den Unterkiefer in seiner Position negativ zu beeinflussen.
  • Eingliedern und Passformkontrolle sowie Pflegehinweise durch den Zahnarzt

Da alle Schienen aus thermoplastischem (durch Wärme verformbarem) Material hergestellt sind, verbietet sich die Reinigung mit heißem Wasser. Zur Pflege empfehlen sich beispielsweise Spülmittel (keine Zahnpasta!) und Zahnbürste sowie die Lagerung der abgetrockneten Schiene trocken in einem belüfteten Behältnis.

Literatur

  1. Diedrich P. (2000). Kieferorthopädie I-III (1. Aufl.). Elsevier, München / Urban & Fischer.
  2. Knak S. (2003). Praxisleitfaden Kieferorthopädie (1. Aufl.). Elsevier, München / Urban & Fischer.
  3. Raiman J (Hrsg): Kieferorthopädie: Zahnärztliche Fachliteratur für die Patientenberatung. All Dente Verlag 2006
  4. Sander FG, Schwenzer N, Ehrenfeld M, Ahlers MO, Bantleon HP. (2011). Kieferorthopädie (2., neu erstelle und erweiterte Aufl.). Thieme Verlag.
  5. Weber T. (2017). Memorix Zahnmedizin (5. unveränderte Aufl.). Thieme Verlag.