Homöopathie

Die Homöopathie ist ein Ende des 18. Jahrhunderts von Samuel Hahnemann entwickeltes alternativmedizinisches Verfahren, das auf dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip („Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“) sowie auf stark verdünnten und verschüttelten Zubereitungen („Potenzen“) basiert.

Aus naturwissenschaftlicher und pharmakologischer Sicht enthalten hochpotenzierte homöopathische Präparate in der Regel keine nachweisbaren Wirkstoffmoleküle mehr. Ein plausibler biochemischer oder physiologischer Wirkmechanismus ist bislang nicht belegt.

Die Homöopathie wird den Verfahren der Komplementär- bzw. Alternativmedizin zugeordnet und ist nicht Bestandteil der evidenzbasierten Zahnmedizin.

Zielsetzung und wissenschaftliche Einordnung

Homöopathische Anwendungen verfolgen das Ziel, subjektive Beschwerden zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Methodisch hochwertige randomisierte kontrollierte Studien, systematische Reviews und Metaanalysen konnten jedoch keine über Placebo hinausgehende spezifische Wirksamkeit nachweisen [1, 2, 3].

  • Wirksamkeit: Kein belastbarer Nachweis einer spezifischen pharmakologischen Wirkung [1, 3]
  • Wirkmechanismus: Naturwissenschaftlich nicht plausibel erklärbar
  • Leitlinienstatus: Keine Empfehlung als Therapieoption in zahnmedizinischen Leitlinien
  • Evidenzlage: Beobachtete Effekte sind am ehesten durch Placebo-, Kontext- und Zuwendungseffekte erklärbar [2]

Anwendung in der Zahnmedizin

In der zahnärztlichen Praxis wird Homöopathie vereinzelt als komplementäre Maßnahme zur subjektiven Unterstützung des Wohlbefindens eingesetzt, beispielsweise im Zusammenhang mit Angst, Stress oder unspezifischen Beschwerden. Eine kausale Behandlung odontogener Erkrankungen wie Infektionen, Entzündungen, Blutungen oder ausgeprägter Schmerzen kann durch homöopathische Präparate jedoch nicht ersetzt werden.

Für diese klinischen Situationen sind evidenzbasierte Verfahren erforderlich, beispielsweise Analgetika, Antiphlogistika, Antibiotika bei bakteriellen Infektionen sowie chirurgische oder restaurative Maßnahmen.

Indikationen (komplementärer Einsatz)

  • subjektive Begleitmaßnahme im Rahmen der Arzt-Patient-Interaktion
  • unterstützende Maßnahmen bei Angst oder Stress, sofern keine evidenzbasierte Therapie verzögert wird

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Verzögerung oder Unterlassung einer evidenzbasierten Diagnostik oder Therapie
  • Ersatz notwendiger medikamentöser oder chirurgischer Behandlungen
  • Anwendung ohne transparente Patientenaufklärung über die fehlende spezifische Wirksamkeit

Das Verfahren

Homöopathische Konsultationen sind häufig durch ausführliche Gespräche und eine intensive Zuwendung zum Patienten gekennzeichnet. Diese Kontextfaktoren können das subjektive Befinden positiv beeinflussen. Der beobachtete Nutzen wird überwiegend auf unspezifische Effekte wie Erwartung, Aufmerksamkeit und Placeboeffekte zurückgeführt [2].

Bewertung aus Sicht der evidenzbasierten Zahnmedizin

Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand besteht keine Evidenz für eine spezifische therapeutische Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel über Placebo hinaus. Homöopathie stellt daher keine kausale oder leitliniengerechte Therapieform dar [1, 3].

Wichtig: Der Einsatz homöopathischer Präparate setzt eine vollständige Aufklärung des Patienten über die fehlende spezifische Wirksamkeit voraus („informed consent“). Eine notwendige evidenzbasierte Behandlung darf hierdurch niemals verzögert oder ersetzt werden (primum non nocere).

Literatur

  1. Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JAC et al.: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet. 2005;366(9487):726-732. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(05)67177-2
  2. Ernst E. Homeopathy: what does the “best” evidence tell us? Med J Aust. 2010;192(8):458-460. https://doi.org/10.5694/j.1326-5377.2010.tb03585.x
  3. Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JRT, Ford I. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev. 2014;3:142. https://doi.org/10.1186/2046-4053-3-142
  4. Pakpoor J. Homeopathy is not an effective treatment for any health condition, report concludes. BMJ. 2015;350:h1478. https://doi.org/10.1136/bmj.h1478