Kariesdetektor

Kariesdetektor ist die Bezeichnung für eine Farbstofflösung zur intraoperativen Beurteilung von Dentin (Zahnbein) während der Kariesexkavation (Entfernung von Karies). Er dient nicht der primären Kariesdiagnostik (Karieserkennung), sondern der Kontrolle bereits exkavierter Kavitäten (ausgebohrter Hohlräume) im Rahmen der restaurativen Behandlung (zahnärztlichen Wiederherstellung). Nach aktueller Evidenz markieren Kariesdetektoren jedoch nicht spezifisch bakteriell infiziertes Dentin, sondern vor allem poröses, gering mineralisiertes bzw. kollagenverändertes Dentin. Daraus resultiert insbesondere in Pulpanähe (Nähe zum Zahnnerv) ein relevantes Risiko der Überexkavation (zu starke Entfernung von Zahnsubstanz) [1-5].

Synonyme

  • Caries detector
  • Kariesdetektorlösung
  • Kariesindikator
  • Kariesfärber
  • Kariesfinder

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Kariesdetektorlösung
    • Mikrobrush, Wattepellet oder vergleichbares Applikationsinstrument
    • Wasser-/Luft-Spray
    • Exkavationsinstrumente, z. B. Rosenbohrer oder Handexkavator
    • Trockenlegung und gute Ausleuchtung
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Die Kavität sollte nach der Exkavation gereinigt und für die Beurteilung ausreichend trocken sein
  • Störfaktoren
    • Pulpanahes Dentin kann falsch-positiv anfärben, da es physiologisch eine geringere Mineralisation und eine veränderte Tubulusdichte (Dichte der feinen Kanälchen im Zahnbein) aufweist [1, 2].
    • Auch die Schmelz-Dentin-Grenze (Grenze zwischen Zahnschmelz und Zahnbein) und andere Areale mit reduzierter Mineralisation können den Farbstoff aufnehmen [1].
    • Zu lange Einwirkzeiten, unzureichendes Abspülen und unzureichende Trocknung erschweren die Interpretation
    • Die Methode ist untersucherabhängig und nur als Ergänzung zur visuell-taktilen Beurteilung zu bewerten [3-5]
  • Methode
    • Eröffnung der kariösen Läsion (durch Karies geschädigte Stelle) und Exkavation der makroskopisch bzw. taktil eindeutig weichen Dentinanteile
    • Applikation der Detektorlösung auf die exkavierte Kavität
    • Einwirkzeit je nach Produkt typischerweise etwa 10-20 Sekunden
    • Abspülen und Trocknung
    • Erneute visuelle Beurteilung der angefärbten Areale
    • Ggf. selektive weitere Exkavation unter Schonung pulpanaher Strukturen
    • Abschließende restaurative Versorgung

Indikationen 

  • Ergänzende intraoperative Kontrolle nach Kariesexkavation bei Dentinkaries (Karies im Zahnbein)
  • Unterstützung bei minimalinvasiver bzw. selektiver Kariesentfernung
  • Hilfsmittel bei schwieriger visuell-taktiler Abgrenzung zwischen infiziertem und erhaltungswürdigem Dentin
  • Didaktische Unterstützung in Ausbildungssituationen

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Nicht anwendbar
  • Erniedrigte Werte
    • Nicht anwendbar
  • Spezifische Konstellationen
    • Eine deutliche Anfärbung weist nicht sicher auf bakteriell infiziertes Dentin hin, sondern kann auch gering mineralisierte, kollagenveränderte oder pulpanahe Dentinareale markieren [1, 2, 4]
    • Die visuell-taktile Beurteilung bleibt klinisch zentral. Eine systematische Übersicht (Zusammenfassung mehrerer Studien) zeigte, dass Farbe und Härte der Dentinkonsistenz relevante klinische Kriterien bleiben, trotz begrenzter Reproduzierbarkeit [3]
    • Eine randomisierte klinische Studie fand für Kariesdetektoren eine hohe Sensitivität (Empfindlichkeit), aber eine geringere Spezifität (Genauigkeit beim Ausschluss gesunder Bereiche) und einen deutlich niedrigeren positiven prädiktiven Wert als für Laserfluoreszenz, ohne klaren klinischen Vorteil gegenüber der etablierten visuell-taktilen Methode [4]
    • Eine aktuelle Scoping-Review (strukturierte Literaturübersicht) kommt zu dem Ergebnis, dass laserfluoreszenzbasierte Verfahren intraoperativ tendenziell zuverlässiger sind als Kariesdetektorlösungen [5]

Weiterführende Diagnostik

  • Visuell-taktile Kontrolle mit Sonde/Exkavator als klinischer Standard [3, 4]
  • Bei Bedarf ergänzende Laserfluoreszenzverfahren, z. B. DIAGNOdent [4, 5]
  • Präoperative bildgebende Diagnostik je nach Lokalisation und klinischer Fragestellung

Literatur

  1. Yip HK, Stevenson AG, Beeley JA. The specificity of caries detector dyes in cavity preparation. Br Dent J. 1994;176(11):417-421. https://doi.org/10.1038/sj.bdj.4808470
  2. Hosoya Y, Taguchi T, Tay FR. Evaluation of a new caries detecting dye for primary and permanent carious dentin. J Dent. 2007;35(2):137-143. https://doi.org/10.1016/j.jdent.2006.06.004
  3. Hon L, Mohamed A, Lynch E. Reliability of colour and hardness clinical examinations in detecting dentine caries severity: a systematic review and meta-analysis. Sci Rep. 2019;9(1):6533. https://doi.org/10.1038/s41598-019-41270-6
  4. Abba HM, Idon PI, Udoye CI, Ikusika OF. Evaluation of residual carious dentin detection methods after cavity preparation: a randomized clinical trial. BMC Oral Health. 2024;24(1):1185. https://doi.org/10.1186/s12903-024-05243-0
  5. Iglesias-Poveda A, Flores-Fraile J, Gutiérrez-Corrales A, Rodríguez-Archilla A. Comparative evaluation of caries detector dyes and laser fluorescence systems for intraoperative diagnosis during selective caries removal: a scoping review. Front Dent Med. 2025;6:1600500. https://doi.org/10.3389/fdmed.2025.1600500
  6. Govind S, Jena A, Kamilla SK, Mohanty N, Mallikarjuna RM, Nalawade T, Saraf S, Al Khaldi N, Al Jahdhami S, Shivagange V. Diagnosis and Assessment of Dental Caries Using Novel Bioactive Caries Detecting Dye Solution. Biomedicines. 2023;11(2):500. https://doi.org/10.3390/biomedicines11020500