Ernährungsberatung in der Zahnmedizin

Eine zahngesunde Ernährung ist neben der richtigen Mundhygienetechnik und regelmäßiger Fluoridanwendung der dritte wichtige Pfeiler der zahnmedizinischen Prophylaxe. Die Ernährungsberatung dient dazu, Ihnen die Zusammenhänge zwischen Ihren Ernährungsgewohnheiten und möglichen Erkrankungen der Zähne und des Zahnhalteapparats aufzuzeigen, ein Umdenken hin zur zahngesunden Ernährung auszulösen und zu begleiten.

Die große Mehrzahl der Menschen ist sich heute des Zusammenhangs zwischen häufigem Zuckerkonsum und erhöhtem Kariesrisiko ("Löcher in den Zähnen") bewusst. Dennoch bedeutet sich zahngesund zu ernähren nicht zwangsläufig völlig auf Zucker verzichten zu müssen.

Gesunde Ernährung wiederum ist nicht bedingungslos gleichzusetzen mit zahngesunder Ernährung – diese Aussage ruft insbesondere bei gesundheitsbewussten Menschen Verblüffung hervor, die auf ihrem täglichen Speiseplan Obst, Obstsäfte oder Salate mit sauren Dressings nicht missen möchten und ihre Zähne damit durch häufige Demineralisation (Entkalkung) und Härteverlust einem hohen Erosionsrisiko (Erosion: chemische Auflösung der Zahnhartsubstanz ohne Zutun von Bakterien) aussetzen. Entsprechende Empfehlungen zur Mundhygiene und fluoridhaltige Spüllösungen senken dieses Risiko.

Lieb gewordene und über Jahre eingefahrene Gewohnheiten lassen sich nur sehr schwer ablegen. Sinnvollerweise sollte eine Ernährungsberatung deshalb die ganze Familie einschließen, um den Kindern von vornherein die Chance auf zahngesunde Ernährungsgewohnheiten zu bieten.

Ziele der Ernährungsberatung in der Zahnmedizin

Anhand der oben genannten Beispiele zeigt sich, dass die Ernährungsberatung in der Zahnmedizin über die Empfehlung zu maßvollem Zuckerkonsum hinausgeht. Sie muss den individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen der Menschen angepasst werden und umfasst unter anderem die Information und Aufklärung über

  • den Zusammenhang zwischen häufigen zuckerhaltigen Mahlzeiten/Getränken und Kariesentstehung bei erhöhtem Kariesrisiko,
  • die Wirkung häufiger Säureangriffe auf den Zahnschmelz bei Erosionsrisiko,
  • den richtigen Zeitpunkt des Zähneputzens im Hinblick auf die Ernährungsgewohnheiten,
  • die stimulierende Wirkung von Nahrung, die gekaut werden muss, auf die Speichelproduktion bei vermindertem Speichelfluss,
  • Zuckerersatzstoffe (Süßstoffe ohne Energiewert, z. B. Saccharin, Cyclamat, Aspartam, Acesulfam),
  • Zuckeraustauschstoffe (z. B. Xylit, Mannit, Sorbit, Isomalt, Lycasin 80/55),
  • zahnfreundliche Süßwaren (Symbol: Zahnmännchen mit Schirm),
  • den Wert von zuckerfreien oder besser: xylithaltigen Kaugummis,
  • den Fluoridgehalt in Speisesalz, Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Mineralwässern und
  • den Wert calcium- und kaseinhaltiger Lebensmittel.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Gingivitis (Zahnfleischentzündungen)
  • Karies
  • Parodontitis (infektiöse, entzündliche Erkrankung des Parodonts (Zahnhalteapparat) mit Zahnfleischrückgang)

Das Verfahren 

Grundlage der Ernährungsberatung ist eine individuelle Ernährungsanalyse, die auf dem aktuellen Wissen der Ernährungsmedizin basiert. Sie dient der ausführlichen Analyse der individuellen Ernährungssituation.  

Die Ernährungsanalyse:

  • ermittelt Ihre individuelle Ernährungssituation.
    Sie erhalten eine Beurteilung Ihrer Ernährungssituation und einen individuellen Ernährungsplan inklusive Vitalstoffempfehlungen (Makro- und Mikronährstoffe).
  • basiert auf Literatur, die einen hohen Evidenzgrad hat. Ein hoher Evidenzgrad (1a, 1b, 2a, 2b) bietet die wissenschaftliche Begründung für Ihre Ernährungs- bzw. Vitalstoffempfehlung (Makro- und Mikronährstoffe).
  • gibt Ihnen Vorschläge für die gesunde Ernährung – Lebensmittellisten mit geeigneten Lebensmitteln ggf. inklusive für Sie geeigneter Vitalstoffsupplemente.
    Die Auswahl geeigneter Lebensmittel/Vitalstoffe erfolgt computergestützt in Abhängigkeit von Ihren Angaben auf Grundlage klassifizierter Literatur gemäß den Kriterien der evidenzbasierten Medizin.

Hilfreich für Sie kann im Rahmen der Ernährungsberatung auch das Führen eines Ernährungsprotokolls sein, das Ihnen die Einwirkzeiten zucker- oder säurehaltiger Nahrung und die tägliche Gesamtdauer eines zahnschädigenden Mundmilieus verdeutlicht. Wenn Sie eine Vorstellung über die zeitlichen Abläufe gewonnen haben, können Sie bewusster durch Auswahl der Nahrungsmittel und den richtigen Zeitpunkt der Zahnpflege gegensteuern.

Literatur

  1. Hellwege KD: Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe. Ein Leitfaden für die Individualprophylaxe, Gruppenprophylaxe und initiale Parodontaltherapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2003
  2. Schiffner U: Prävention; Curriculum Kinder- und Jugendzahnheilkunde der APW der DGZMK 2011

     
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