Wurzelkanallängenmessung (Endometrie)

Bei der endometrischen Wurzelkanallängenmessung (Synonym: elektrometrische Wurzelkanallängenbestimmung) handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren, mit dem die Aufbereitungslänge eines Wurzelkanals im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung sehr genau bestimmt werden kann und das somit einen wichtigen Beitrag zu deren Erfolg leistet.

Ziel einer Wurzelkanalbehandlung ist die möglichst vollständige Aufbereitung und Desinfektion eines Wurzelkanals bis zu dessen apikaler Konstriktion. An diesem engsten Bereich des Wurzelkanals gehen in der Regel der die Wurzel außen umkleidende Wurzelzement in das intrakanaläre Wurzeldentin  sowie das Pulpengewebe (Zahnmark) in das Mischgewebe des Periapex (Wurzelspitzenumgebung) über. Die apikale Konstriktion stimmt nicht mit dem röntgenologischen Apex (Wurzelspitze) überein, vielmehr liegt sie etwa 1 mm davon entfernt.

Während bei der röntgenologischen Längenbestimmung die Lage der apikalen Konstriktion geschätzt werden muss und der Behandler bei der taktilen Längenbestimmung die Enge mit viel Fingerspitzengefühl zu ertasten hat, gilt die elektrometrische Längenbestimmung inzwischen als sicherste Messmethode. Denn der große Vorteil moderner Endometriegeräte liegt in ihrer hohen Genauigkeit, mit der sie die apikale Konstriktion anzeigen. Sie können  diese so sicher ermitteln, dass eine Überinstrumentierung fast sicher ausgeschlossen werden kann.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Indikation zur elektrometrischen Längenbestimmung eines Wurzelkanals stellt sich im Rahmen jeder Wurzelkanalbehandlung, bei der eine apikale Konstriktion als Voraussetzung für die Durchführung einer korrekten Messung zu erwarten ist.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Korrekte Messungen werden durch folgende Gegebenheiten unmöglich gemacht:

  • Sowohl Resorptionen, die durch Entzündungen im Wurzelspitzenbereich verursacht sind, als auch im Wachstum noch nicht abgeschlossene Wurzeln haben keine apikale Konstriktion
  • Starke Blutungen aus dem Wurzelkanal, die zu Kontakt zur den Zahn umgebenden Gingiva (Zahnfleisch) führen
  • tief zerstörte Zahnkronen, die zu einem Kontakt zwischen Zugangskavität und Gingiva führen
  • bei Wurzelfrakturen wird der Strom über den Frakturspalt weggeleitet
  • im Wurzelkanal verbliebenes, im Rahmen einer Revision (Erneuerung einer Wurzelfüllung); nicht vollständig entfernbares Füllmaterial versperrt den Zugang zur apikalen Konstriktion
  • metallische Füllungen oder Kronen mit Gingivakontakt leiten den Strom fort. Eine Messung ist nur möglich, wenn ein Kontakt des Wurzelkanalinstruments mit dem Metall vermieden werden kann

Vor der Untersuchung

Vor der Untersuchung muss der Zugang zum Wurzelkanal bzw. den Wurzelkanälen durch die Zahnkrone freigelegt werden. Die Exstirpation des Pulpengewebes (Entfernung des Zahnmarks) nicht nur im Kronenbereich, sondern auch im Wurzelkanal mittels einer Exstirpationsnadel muss der Messung vorangehen, ebenso wie die Aufbereitung des kavitätennahen koronalen Kanaldrittels. Dieses wird dergestalt vorbereitet, dass die Wurzelkanalkrümmung reduziert und somit ein geradlinigerer Zugang in den weiteren Kanalverlauf und zur apikalen Konstriktion geschaffen wird.

Das Verfahren

Endometriegeräte (Synonym: Apexlokalisator) bestehen aus einer Spannungsquelle und einem Messinstrument und arbeiten mit Wechselstrom. Als Elektroden dienen zum einen ein im Wurzelkanal befindliches Instrument, zum anderen eine in den Mundwinkel eingehängte Gegenelektrode.

Basierend auf der Erkenntnis, dass der elektrische Widerstand zwischen der Mundschleimhaut und dem Desmodont (Wurzelhaut, auf der äußeren Wurzeloberfläche im Wurzelzement ansetzend) konstant ist, misst das Endometriegerät den Wechselstromwiderstand zwischen diesen Geweben (Gewebeimpedanz).

Mit Hilfe eines in den Wurzelkanal eingebrachten Kanalaufbereitungsinstrumentes misst das Endometriegerät den Widerstand zwischen der Spitze des Instrumentes und der umgebenden Flüssigkeit (Elektrodenimpedanz). Im Bereich der apikalen Konstriktion ist der Widerstand und somit das Messsignal am größten, unterhalb der Konstriktion jedoch am geringsten, denn dort, jenseits des engen Wurzelkanals im Bereich des Desmodonts, kann der Strom in sämtliche Richtungen fließen.

Moderne Endometriegeräte arbeiten nach dem relativen Impedanzverfahren. Sie verfügen über kalibrierte Anzeigen, die an einen Farbcode und ein akustisches Signal gekoppelt sind, mit deren Hilfe der Behandler komfortabel den Weg zur apikalen Konstriktion verfolgen und sich vortasten kann. Neue Gerätetypen arbeiten mit mehreren Frequenzen und erhöhen dadurch die Messgenauigkeit.

Für die Messung sind folgende Verfahrensschritte erforderlich:

  • Spülen des Wurzelkanals mit einer elektrisch leitenden Flüssigkeit, beispielsweise mit CHX (Chlorhexidin)
  • Trocknen der Kavität, nicht jedoch des Wurzelkanals
  • Einhängen der Schleimhautelektrode in den befeuchteten Mundwinkel
  • Befestigen des Wurzelkanalinstrumentes (je nach Gerät K-Feile ISO 008 bis 020) an der Klammer des Endometriegerätes; die Klammer muss zwischen Griff und Silikonstopper platziert werden
  • Einführen des Wurzelkanalinstrumentes in den zu messenden Kanal
  • Unter Verfolgen der Anzeige bzw. des akustischen Signals Vorschieben des Instrumentes bis zur apikalen Konstriktion
  • Ist die apikale Konstriktion erreicht, Einstellen des Silikonstopps am Wurzelkanalinstrument auf einen Referenzpunkt im Bereich der Zahnkrone, der für den Behandler eindeutig reproduzierbar und leicht einsehbar ist (koronaler Referenzpunkt)

Nach der Untersuchung

Nach der Untersuchung sind die ermittelte Arbeitslänge des Wurzelkanalinstrumentes und die Lage des Referenzpunktes für gegebenenfalls nachfolgende Behandlungssitzungen zu dokumentieren.

Mögliche Komplikationen

  • Der Bereich der Wurzelspitze ist vielgestaltig. So können neben dem Hauptkanal mit seinem Foramen apicale (Kanalöffnung an der Wurzelspitze) Seitenkanäle mit akzessorischen Foramina (zusätzlichen Öffnungen) vorhanden sein, die zusammen ein apikales Delta bilden. Jeder zusätzliche Seitenkanal aber verringert den elektrischen Widerstand im Bereich der apikalen Konstriktion, sodass dadurch Messfehler möglich werden.
  • Eine feuchte Zugangskavität führt zu falsch positiven Messungen.
  • Ein zu trockener Kanal liefert falsch negative Ergebnisse.
  • Obliterierte (durch Verkalkung verschlossene) Kanäle machen eine Messung unmöglich.

Literatur

  1. Hellwig E, Klimek J, Attin T: Einführung in die Zahnerhaltung: Prüfungswissen Kariologie, Endodontologie und Parodontologie. Deutscher Zahnärzte Verlag 2009
  2. Weber T: Memorix Zahnmedizin. Georg Thieme Verlag 2010
  3. Klimm W: Endodontologie: Lehrbuch für Studium und Beruf. Deutscher Zahnärzte Verlag 2011
  4. Galler K: Vier elektronische Wurzelkanallängenmessgeräte im klinischen Vergleich mit Röntgenmesstechnik und tatsächlicher Länge. Ludwig-Maximilians-Universität München, Dissertation, 2002

     
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