Milchzahnkrone

Im Sprachgebrauch findet der Begriff der Milchzahnkrone zum einen Anwendung für die natürlichen Kronen der 1. Dentition (aus dem Zahnfleisch herausragender Anteil der Milchzähne), zum anderen aber auch für konfektionierte Kronen, die an Milchzähnen bei starkem Substanzverlust in deren Kronenbereich eingesetzt werden, um den betroffenen Zahn möglichst bis zum physiololgischen (natürlichen) Zahnwechsel zu erhalten.

Frontzähne der 1. Dentition (Milchfrontzähne) mit großem Substanzverlust werden in der Regel mit gängigen Füllungsmaterialien versorgt, wobei Formhilfen wie Frasaco-Käppchen oder Polycarbonatkronen zur Anwendung kommen, die mit dem Restaurationsmaterial gefüllt werden. Die nachfolgenden Ausführungen befassen sich deshalb mit der konfektionierten Stahlkrone/Nickel-Chrom-Krone für die Versorgung von Molaren der 1. Dentition (Milchbackenzähnen).

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Da die konfektionierte Krone den Rest des Zahns zirkulär (ringförmig) umfasst und gleichzeitig den Hartsubstanzverlust infolge kariöser Schädigung nach Exkavation (Entfernen der Karies) ausgleicht, ergeben sich folgende Einsatzbereiche bevorzugt an Milchmolaren (Backenzähnen des Milchgebisses), aber auch an kindlichen bzw. jugendlichen Sechsjahrmolaren (ersten hinteren Backenzähnen des bleibenden Gebisses):

  • großer Hartsubstanzverlust nach Kariesexkavation (Kariesentfernung); in der Regel sind mehrere Zahnflächen betroffen; auch an bleibenden Molaren ist hier der Einsatz großer Milchzahnkronen möglich, da definitive Kronen erst im Erwachsenenalter möglich sind; Stahlkronen sind hinsichtlich der Überlebenschance des Milchzahns bis zur natürlichen Exfoliation (Zahnverlust) prognostisch günstiger zu beurteilen als ausdehnungsbedingt aufwändige Füllungen;
  • nach endodontischer Behandlung (Behandlung des Zahnmarks) wie Pulpotomie (Entfernung des Kronenzahnmarks) oder Pulpektomie (Entfernung von Kronen- und Wurzelzahnmark); beide Verfahren bergen eine starken Hartsubstanzverlust ausgehend vom Kauflächenbereich in sich, da ein breitflächiger Zugang zur Pulpa (zum Zahnmark) geschaffen werden muss;
  • Hartsubstanzverlust durch Fraktur (Bruch);
  • Dysplasien (Entwicklungsstörungen) von Zahnschmelz oder Dentin auch bleibender Molaren; Versorgung auch in diesem Fall, um die Zeit bis zur definitiven Kronenversorgung im Erwachsenenalter  zu überbrücken;
  • prophylaktisches (vorsorgliches) Überkronen bei Kindern mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung, die dadurch nur sehr eingeschränkte Mundhygiene betreiben können;
  • um die Elongation (Verlängerung) des Antagonisten (Kontaktzahn im Gegenkiefer) zu verhindern.

Das Verfahren

Der Einsatz einer konfektionierten Milchzahnkrone hat also das Ziel, die Kaufunktion wiederherzustellen, dadurch, dass der versorgte Zahn wieder mit seinem Antagonisten (Kontaktzahn im Gegenkiefer) in Kontakt tritt. Außerdem wird der natürliche Abstand zwischen den Nachbarzähnen in seiner Dimension aufrechterhalten, wodurch der Sechsjahrmolar (erste Backenzahn des bleibenden Gebisses) nicht nach vorne aufrücken, dadurch den Zahnbogen einengen oder den unter dem zu versorgenden bleibenden Zahn völlig im Durchbruch verhalten kann.

Die Vorgehensweise, die sich der Vorversorgung in Form von endodontischer Behandlung oder Kariesentfernung anschließt, gestaltet sich folgendermaßen:

  • Ausmessen des Abstands der Nachbarzähne;
  • ggf. Aufbaufüllung zum Substanzausgleich;
  • Präparation approximal (Beschleifen in den Zahnzwischenräumen): sparsam und auslaufend z. B. mit einem Separierdiamanten; der Substanzabtrag ist ausreichend, wenn eine Sonde durch den Zahnzwischenraum bewegt werden kann;
  • Präparation okklusal (Beschleifen im Kauflächenbereich): Kürzen um ca. 1,5 mm, wobei das Kauflächenrelief erhalten bleiben soll;
  • Kronenauswahl aus Sortiment anhand des anfangs gemessenen Wertes: Krone muss bei der ersten Anprobe knapp über den Zahn rutschen;
  • Länge der Krone ggf. mit Kronenschere reduzieren; Kronenrand muss deutlich über den Äquator (breiteste Stelle des Zahns) reichen, darf aber nur wenig in die Zahnfleischtasche eindringen;
  • Krone mit speziellen Zangen am Rand so bearbeiten, dass beim Einsetzen ein deutlicher Schnappeffekt über dem Äquator erzielt wird;
  • Kontrolle des Antagonistenkontaktes (Kontakts mit dem Zahn des Gegenkiefers);
  • endgültiges Einsetzen der Krone beispielsweise mit Glasionomerzement;
  • Befreien des Sulcus (der Zahnfleischfurche) von Zementresten;
  • erneute Aufbisskontrolle.

Mögliche Komplikationen

  • Krone zu klein gewählt, lässt sich dadurch nicht korrekt in Position bringen;
  • Krone zu groß gewählt; in der Folge kein Schnappeffekt, vorzeitiger Kronenverlust;
  • Krone zwar richtig gewählt, aber approximal (in den Zahnzwischenräumen) nicht auslaufend präpariert, sodass die Krone auf einer Stufe aufsitzt; in der Folge kein Schnappeffekt;
  • Frühkontakte zu den Antagonisten (Zähnen des Gegenkiefers); in der Folge ggf. entzündliche Reizung des überkronten Zahnes oder des/der Antagonisten.

Literatur

  1. Weber T: Memorix Zahnmedizin. Georg Thieme Verlag 2010
  2. Gängler P, Hoffmann T, Willershausen B, Schwenzer N, Ehrenfeld M: Zahn- Mund- und Kieferheilkunde. Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005
  3. Nordhusen S: Integration der Kinderzahnheilkunde in die zahnärztliche Praxis. Seminar der ZAN (Zahnärztlichen Akademie Niedersachsen). 02/2010

     
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