Kariesdetektor

Bei einem Kariesdetektor (Synonyme: caries detector; Kariesfinder) handelt es sich um eine Flüssigkeit, die aus einem Lösungsmittel mit definierter Molekülgröße und einem Farbstoff besteht. Die Lösung dient zur Überprüfung einer kariösen Läsion (eines Loches) nach Exkavation (Kariesentfernung) und vor weiterer restaurativer (Füllungs-) Versorgung um sicherzustellen, dass kein kariöses Restdentin (Zahnbein) zurückbleibt.

Kariesdetektorlösungen werden von etlichen Herstellern angeboten. Ihnen gemeinsam ist ein Lösungsmittel, beispielsweise Propylenglykol, das auf Grund der definierten Größe seiner Moleküle in nekrotisches (abgestorbenes) und von Bakterien penetriertes Dentin (durchdrungenes Zahnbein) eindringen kann, nicht aber in gesundes oder nur demineralisiertes Dentin, dem lediglich durch den Säureangriff der Karies verursachenden Bakterien die Hartsubstanzanteile entzogen sind. Der mittransportierte Farbstoff, z. B. Erythrosin 1 %, wiederum dient dazu, das entsprechende Dentinareal zu markieren und vom erhaltungswürdigen Dentin optisch abzugrenzen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Ein Kariesdetektor unterscheidet sich von anderen Methoden der Kariesdiagnostik wie z. B. dem Röntgen, der faseroptischen Transillumination oder der Laserfluoreszenz dadurch, dass er nicht in einer zahnärztlichen Kontrolluntersuchung, sondern während der Behandlung eines kariösen Defekts zum Einsatz kommt.

Auch ohne Anwendung einer Detektorflüssigkeit ist es für den routinierten Zahnarzt möglich, weiches, demineralisiertes und somit zu entfernendes Dentin von noch mineralisiertem, sondenhartem Dentin zu unterscheiden, indem er die sogenannte taktile (das "Tasten" betreffend) Methode anwendet und den exkavierten Defekt mit einer zahnärztlichen Sonde unter leichtem Druck abtastet und dadurch die unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheit erspürt. Außerdem ist der sogenannte cri dentaire ("Zahnschrei"), ein typisches Geräusch beim Sondieren mineralisierten Dentins, ein sicheres Zeichen für eine erfolgreiche Exkavation (Kariesentfernung).

Die Anwendung eines Kariesdetektors stellt also keine conditio sine qua non (unverzichtbare Bedingung) dar, ist aber eine sehr sinnvolle Ergänzung zur Exkavationskontrolle.

Das Verfahren

  • Eröffnen der zuvor diagnostizierten kariösen Läsion durch Abtragen der Schmelzdecke z. B. mit schnell rotierenden Diamantinstrumenten
  • Exkavation (Kariesentfernung) z. B. mittels langsam rotierender Rosenbohrer, die kariöses Material abspanen, oder mit Hilfe anderer Exkavationsmethoden
  • Applikation (Auftragen) der Detektorlösung
  • Einwirkzeit je nach Präparat 10 bis 20 Sekunden
  • Absprühen je nach Präparat für 10 bis 20 Sekunden. Nach dem Absprühen verbleibt lediglich die in die infizierte Dentinstruktur transportierte Detektorlösung
  • Sichtkontrolle und ggf. Entfernen von Restkaries
  • restaurative (Füllungs-) Versorgung des Defekts

Mögliche Komplikationen

Ein Problem stellt die Tatsache dar, dass sich ausgerechnet in Pulpanähe (Nähe des Zahnmarks) die Dentinstruktur verändert, dadurch dass die Dichte der Dentintubuli (mikroskopisch kleine Kanälchen, die das Zahnbein bis zum Zahnmark durchziehen) zunimmt. Das pulpanahe, gesunde Dentin nimmt somit den Farbstoff leichter an als weiter entfernt liegendes gesundes Dentin. Das Behandlungsziel einer Exkavation ist aber nicht nur die vollständige Entfernung der Karies, sondern auch die Erhaltung des Hartgewebsdaches über der Pulpa (dem Zahnmark). Daher sollte der Behandler in Pulpanähe auf die Farbmarkierung durch den Detektor verzichten und sich lediglich auf die taktile Methode und das typische Sondengeräusch verlassen.

Literatur

  1. Bürklein S: Kariesdiagnostik in der Zahnheilkunde. Wissenschaft und Fortbildung BZB April 11
  2. Gängler P, Hoffmann T, Willershausen B, Schwenzer N, Ehrenfeld M: Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005
  3. Hellwig E, Klimek J, Attin T: Einführung in die Zahnerhaltung. Prüfungswissen Kariologie, Endodontologie und Parodontologie. Deutscher Zahnärzte Verlag 2009
  4. Heidemann D (Hrsg.): Praxis der Zahnheilkunde. Endodontie. Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2001
  5. Tinschert J: Zahnheilkunde in Checklisten: Diagnose, Therapie, Materialien, Instrumente. Pflichtfortsetzung. Spitta Verlag 2005

     
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