Kariesbehandlung mittels Ozon

Das Molekül Ozon (O3), das bei Raumtemperatur als Gas vorliegt, ist ein sehr reaktionsfreudiges, starkes Oxidationsmittel. Bei der Kariesbehandlung mittels Ozon werden dessen bakterizide (Bakterien abtötende) Eigenschaften, die sich aus Oxidationsprozessen an den Zellmembranen von Mikroorganismen ergeben, therapeutisch genutzt.

Die Ozonbehandlung ist durch den unkomplizierten Ablauf und geringen Zeitaufwand anwenderfreundlich, zugleich auch sehr patientenfreundlich, weil sie schmerz- und vibrationsfrei sowie lautlos vonstattengeht. Ein großer Nachteil liegt in der sehr kontrovers angesehenen Wirksamkeit. Zwar ist ihre Bakterizidität über jeden Zweifel erhaben; die Probleme ergeben sich durch die rein oberflächliche Wirkung und die schnelle bakterielle Rekolonialisation (Wiederbesiedlung) der behandelten Oberflächen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Ozontherapie wird als sinnvoll empfohlen beispielsweise zur Behandlung von:

  • oberflächlicher, beginnender Fissurenkaries bzw. Fissuren in der Beobachtungsphase
  • Sterilisation von Fissuren (Grübchen im Kauflächenrelief der Seitenzähne) vor Fissurenversiegelung
  • Wurzelkaries
  • kariösen Initialläsionen (im Entstehen begriffenen Löchern)
  • offen liegenden kariösen Läsionen
  • Kavitäten (Löchern) nach Exkavation (Kariesentfernung) zur Desinfektion

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Die Kontraindikationen ergeben sich zwangsläufig aus der Oberflächenwirkung des Ozons:

  • tiefe kariöse Läsionen (Löcher) ohne vorherige Exkavation (Kariesentfernung)
  • schwer zugängliche Stellen, die das Anpassen des Saugnapfes und dadurch den Aufbau eines Vakuums unmöglich machen
  • unzugängliche Karies unter Restaurationen (Füllungen, Kronen)

Das Verfahren

Der Behandlungsablauf ist unaufwändig, wenig zeitintensiv und gestaltet sich folgendermaßen:

  • Vorreinigung der zu behandelnden Oberfläche z. B. mittels rotierender Bürstchen und Reinigungspaste
  • bei tieferen Kavitäten zunächst Exkavation (Kariesentfernung) z. B. mit rotierenden Instrumenten (Bohrern); auf Grund der auf die Oberflächen begrenzten bakteriziden Ozonwirkung kann also nur bei Initialkaries (kleinen Defekten) eine Behandlung ohne Bohren stattfinden
  • Trockenlegung der zu behandelnden Oberfläche
  • Anpassen eines Silikon-Saugnapfes, der in verschiedenen Größen zu Verfügung steht. Dieser verhindert das Austreten des Gases und ermöglicht den Aufbau eines Vakuums um die zu behandelnde Oberfläche herum; bei Undichtigkeit wird die Ozonzufuhr automatisch gestoppt. Dadurch wird die Ozoninhalation (Einatmen von Ozon) durch Patient und Behandler vermieden.
  • Ozon-Applikation (Anwendung) mit einem Ozontherapie-Gerät in hoher Dosierung für 30 bis 40 Sekunden unter ständigem Volumenaustausch. Bereits nach 10 Sekunden sind 95 % aller Keime abgetötet.
  • automatische Absaugung des Restgases am Ende der Applikation
  • Applikation von Remineralisierungslösung auf die durch den bakteriellen Säureangriff demineralisierten Hartsubstanzen

Sinnvollerweise muss die Kariesbehandlung mittels Ozon in ein präventives (vorsorgendes) Gesamtkonzept eingebunden sein, um die bakterielle Wiederbesiedlung der gefährdeten Oberflächen dauerhaft zu verhindern. Zu den vorbeugenden Maßnahmen zählen:

  • häusliche Remineralisierung durch den Patienten
  • Fluoridierung in der zahnärztlichen Praxis
  • antimikrobielle Therapie z. B. mit Chlorhexidindigluconat
  • Ernährungslenkung
  • Optimierung der Zahnputztechnik zur dauerhaften Plaquereduktion
  • regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
  • ggf. professionelle Zahnreinigung (PZR)

Literatur

  1. Gängler P, Hoffmann T, Willershausen B, Schwenzer N, Ehrenfeld M: Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005
  2. Splieth CH: Noninvasive Karies- und minimalinvasive Füllungstherapie. Spitta Verlag 2004
  3. Tinschert T: Zahnheilkunde in Checklisten. Spitta Verlag 2002

     
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