Digitale Zahnfarbbestimmung

Bei der digitalen Zahnfarbbestimmung (Synonym: digitale Zahnfarbmessung) handelt es sich um ein Verfahren zur exakten Auswertung der farbgebenden Komponenten einer Zahnoberfläche vor Herstellung zahnfarbener Versorgungen.

Die korrekte Bestimmung der Zahnfarbe ist ein sehr schwieriger Schritt bei der Herstellung zahnfarbener Versorgungen, denn der Farbeindruck des natürlichen Zahnes setzt sich aus drei verschiedenen Komponenten zusammen:

  • Helligkeit ("Value")
  • Farbsättigung ("Chroma")
  • Farbton ("Hue")

Die gebräuchliche Zahnfarbbestimmung erfolgt durch den Betrachter, sprich Zahnarzt oder Zahntechniker, mit sogenannten Farbringen. Diese enthalten Materialproben des zu verarbeitenden Materials wie z. B. Komposit (Kunststoff) oder Keramik in mehreren zur Verfügung stehenden Farbtongruppen und erfordert viel Erfahrung. Unterschiede in Helligkeit, Farbton und -sättigung sowie individuelle Besonderheiten (Risse, Schmelzflecken u. ä.) werden bei dieser Art der Farbbestimmung mittels einer Skizze der Zahnoberfläche festgehalten.

Dabei wird die Farbauswahl durch das Betrachterauge zwangsläufig beeinflusst durch veränderliche Faktoren wie:

  • den wechselnden Lichtverhältnissen in der Zahnarztpraxis (Kunstlicht, Tageslicht, Tageszeit)
  • unterschiedlichen Lichtverhältnissen in der Zahnarztpraxis und im Labor
  • Wechselwirkungen der Zahnfarbe mit Umgebungsfarben (Kleidung, Hautfarbe, Make-Up)
  • einer Farbfehlsichtigkeit des Betrachters
  • der Farbadaptation durch das Auge des Betrachters. Um die Adaptation zu vermeiden, ist es hilfreich, den Zahn nur wenige Sekunden zu betrachten und zwischenzeitlich den Blick auf eine blaue Fläche zu richten.

Aus diesen Einschränkungen ergeben sich die Vorteile der digitalen Zahnfarbbestimmung:

  • Messergebnisse werden objektiv erstellt
  • reproduzierbar gespeichert und
  • in Sekundenschnelle dem zahntechnischen Labor zur Verfügung gestellt.
  • Eine digitale Fotographie des Referenzzahnes mit den Besonderheiten seiner Oberflächenstruktur erspart die ungenauere Handskizze und begleitet die labortechnischen Arbeitsschritte.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Eine digitale Zahnfarbbestimmung findet sinnvollerweise vor der Anfertigung zahnfarbener Versorgungen wie z. B. Veneers (Verblendschalen) und Vollkeramikkronen durch das zahntechnische Labor statt, insbesondere wenn es sich um die Versorgung eines einzelnen Zahnes im Frontzahnbereich handelt. Sie kann auch bei der Versorgung von Schneidezähnen mit Kompositfüllungen (Kunststoffüllungen) hilfreich sein, wenn diese in aufwändiger Mehrfarb- und Mehrschichttechnik hergestellt werden.

Vor der digitalen Zahnfarbbestimmung

Vor der digitalen Zahnfarbbestimmung sollte die Oberfläche des auszuwertenden Zahns gereinigt werden, ohne sie dabei auszutrocknen. Denn wenn der Zahnsubstanz durch vorhergehende Behandlungsmaßnahmen Feuchtigkeit entzogen wird, ändert sich ihre Farbwirkung. Eine Zahnfarbbestimmung sollte also zu Beginn einer Behandlungssitzung durchgeführt werden.

Das Verfahren

Die digitale Zahnfarbbestimmung kann generell mit zwei verschiedenen Techniken erfolgen: zum einen mit einem sogenannten Kolorimeter, zum anderen mit einem Spektrometer. Während das Erstgenannte abhängig vom Umgebungslicht und somit von einer das Ergebnis stark beeinflussenden Größe ist, arbeitet das Spektrometer unabhängig von Lichteinflüssen, indem es die Differenz zwischen Umgebungslicht und dem vom Zahn reflektierten Licht extrapoliert.

Da der natürliche Zahn aus den Substanzen Dentin (Zahnbein) und Zahnschmelz besteht, die von unterschiedlicher Farbe und Transparenz sind und zudem vom Zahnhals bis zur Schneidekante hin in unterschiedlichen Schichtdicken vorliegen, ergibt sich hieraus im ungünstigen Fall eine Vielzahl von Farbnuancen. Diesem Umstand wird das Spektrometer durch das sogenannte Farbmapping gerecht, in dem es die Zahnoberfläche mehrfach vermisst und eine differenzierte "Landkarte" der Oberfläche erstellt. Die alternative Variante ist die Einteilung in drei Bereiche, die Dreibereichsmessung, die sich auf die jeweils dominierende Farbe an Zahnhals, Zahnmitte und Schneide beschränkt.

Die Farbbestimmung allein liefert dem Zahntechniker noch nicht alle erforderlichen Informationen. Ergänzend bieten die Spektrometer (z. B. SpectroShade® Micro) die Möglichkeit einer digitalen Fotografie, die individuelle Charakteristika wie White Spots (weiße Entkalkungen), Schmelzrisse und den Transparenzverlauf des Zahnschmelzes protokolliert.

Kann das Spektrometer außer natürlicher Zahnsubstanz auch Keramik vermessen, so lässt sich das Ergebnis der zahntechnischen Arbeit mit den Vorgaben des Referenzzahnes vergleichen.

Literatur

  1. Weber T: Memorix Zahnmedizin. Georg Thieme Verlag 2010
  2. Koinig H: Metallkeramik. Verlag Neuer Merkur 2003

     
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