Glasionomerzemente (EQUIA®)

Bei EQUIA® handelt es sich um ein zahnfarbenes Füllungsmaterial auf der Basis eines modernen Glasionomerzementes (GIZ), das im Rahmen seines Indikationsbereiches eine zeitsparende und preisgünstige Alternative zu aufwändigen zahnfarbenen Kunststofffüllungen oder ästhetisch unbefriedigenden Amalgamfüllungen darstellt.

Amalgam ist auf Grund seiner langen Haltbarkeit und vergleichsweise einfachen Anwendung immer noch das Standardmaterial für die Basisversorgung im Seitenzahnbereich. Nachdem die FDI (Féderation Dentaire Internationale, Internationale Zahnärztevereinigung) 2010 eine Resolution verabschiedet hat, nach der sie schrittweise auf Amalgam als Füllungswerkstoff verzichten möchte, stellt sich zwangsläufig die Frage nach einem alternativen, für die Basisversorgung ohne Zuzahlung geeigneten langlebigen Material. Seitenzahn-Komposite (für die Versorgung von Backenzähnen geeignete Kunststoffe) kommen hierfür jedoch auf Grund ihrer aufwändigen und zeitintensiven Verarbeitung nicht in Frage.

Konventionelle Glasionomerzemente (herkömmliche GIZ) als Füllungswerkstoffe erfreuen sich auf dem Sektor der semipermanenten Restauration (kurz- bis mittelfristigen Versorgung) auf Grund ihrer einfachen und schnellen Verarbeitung großer Akzeptanz. Sie waren jedoch bisher auf Grund ihrer geringen Biegefestigkeit und ihrer starken Abrasion (Abriebs) nicht für permanente (dauerhafte) Füllungen geeignet. Auf Grund dieser Schwachstellen werden konventionelle GIZ deshalb überwiegend für provisorische Füllungen oder in der Kinderzahnheilkunde für Klasse-I-Füllungen der 1. Dentition (auf der Kaufläche in Milchzähnen) verwendet.

EQUIA® stellt als GIZ der neuesten Generation insofern eine Innovation dar, als sich aus dem Zusammenspiel zwischen dem Füllungsmaterial und einem sogenannten Coating (Schutzlack) deutlich verbesserte physikalische Eigenschaften wie Biegefestigkeit und Abrasionsstabilität ergeben, die innerhalb eines begrenzten Indikationsbereiches den Einsatz als Material für dauerhafte Füllungen rechtfertigen.

Alle GIZ erreichen ihre endgültigen Materialeigenschaften erst nach Durchlaufen zweier Abbindephasen. Vom Feuchtigkeitshaushalt während dieser Phasen ist die Qualität der gelegten Füllung entscheidend abhängig. Während die Zementkomponente in EQUIA® auf einem konventionellen GIZ basiert, konzentriert sich der Innovationsansatz auf den Schutz der Füllungsoberfläche durch das Coating, einem lichthärtenden dünn fließenden Komposit (Kunststoff) auf Acrylatbasis. Zum einen schützt das Coating den GIZ in der sensiblen ersten Abbindephase, zum anderen verschließt es oberflächliche Poren mit Kunststoff und verbessert so die mechanischen Eigenschaften der Füllung: die Vickershärte des GIZ wird durch das Coating um ca. 30 % gesteigert.

Zusammensetzung von EQUIA® (nach Lohbauer et al. [2]):

Material Materialtyp pH Zusammensetzung
Fuji IX GP Extra röntgenopaker GIZ  –
  • Polyacrylsäure                    
  • Aluminiumsilikatgläser         
  • Wasser                                  
10-15 %
70-80 %
10-15 %
G-Coat Plus nanogefüllter, selbstadhäsiver, lichthärtender Schutzlack 2,5
  • Methylmethacrylate            
  • kolloidale Silikate                
  • Kampherkinon                    
  • Urethanmethacrylat             
  • phosphorsaure Estermonomer      
40-50 %
10-15 % 
> 1 %
30-40 % 
< 5 %

EQUIA® verbindet die Vorzüge konventioneller GIZ mit den sich aus dem Coating ergebenden verbesserten Eigenschaften:

Konventionelle GIZ:

  • Bulk-Filling: Das Füllungsmaterial wird in einer einzigen Schicht eingebracht. Zeitaufwändiges Schichten wie bei Kompositen entfällt.
  • Eigenhaftung: GIZ haften chemisch an der Zahnsubstanz
  • Ästhetik: Zwar stehen die GIZ den Kompositen (Kunststoffen) auf Grund mangelnder Transluzenz (Lichtdurchlässigkeit) in ästhetischer Hinsicht nach, sind jedoch einer Amalgamfüllung gegenüber auf Grund ihrer zahnähnlichen Farbe deutlich im Vorteil.
  • Ausarbeitung: Die Ausarbeitung beschränkt sich auf das Ausarbeiten mit Finieren (feinkörnigen rotierenden Instrumenten). GIZ sind, anders als Komposite (Kunststoffe), nicht polierbar, sodass dieser Arbeitsschritt entfällt.
  • Fluoridfreisetzung: Aus GIZ werden Fluoride freigesetzt – ein Effekt, der die Entstehung von Karies in den Randbereichen der Füllung hemmt.
  • Randdichtigkeit: GIZ zeigen ein für die Randdichtigkeit der Füllung günstiges Wärmeausdehnungsverhalten.

EQUIA®:

  • Biegefestigkeit: Die Biegefestigkeit konventioneller GIZ beträgt nur ca. ein Fünftel des Wertes von Kompositen (Kunststoffen), was zu einer hohen Verlustquote durch Frakturen (Füllungsbruch) führt. Durch das Coating (auf Kunststoffbasis) wird die Biegefestigkeit und somit Belastbarkeit durch den Kaudruck gesteigert.
  • Anwendungszeit: Bis zum Finieren (Ausarbeiten) der erhärteten Füllung vergehen lediglich dreieinhalb Minuten. EQUIA® ist dadurch besonders geeignet bei mangelnder Compliance (Mitarbeit – z. B. in der Kinderzahnheilkunde).
  • Abrasionsverhalten: konventionelle GIZ zeigen eine 5 bis 10 mal höhere Abrasion als Komposite (Kunststoffe). So lange das Coating (auf Kunststoffbasis) selbst noch nicht abradiert (abgerieben) ist, ist EQUIA® dadurch deutlich abrasionsbeständiger und weniger frakturgefährdet. Das Coating verlängert somit die Liegedauer (Zeitspanne, über welche die Füllung funktionstüchtig bleibt).
  • Feuchtigkeitstoleranz: dadurch weniger techniksensitiv bei der Verarbeitung

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • zur Restauration von Klasse-I-Defekten (auf der Kaufläche)
  • zur Restauration von unbelasteten Klasse-II-Defekten (auf der Kaufläche und einer weiteren Fläche im Zahnzwischenraum)
  • zur Restauration von durch Kaudruck belasteten kleineren Klasse-II-Defekten, deren okklusale Ausdehnung weniger als 50 % des Interkuspidalraumes (Raum bzw. Abstand zwischen den zur Wange bzw. zur Zunge hin gelegenen Höckerspitzen eines Zahnes) beträgt
  • als Stumpfaufbaumaterial (Aufbau eines tief zerstörten Zahnes vor Versorgung mit einer Krone)
  • interdentale Restaurationen (in den Zahnzwischenräumen)
  • Klasse-V-Defekte (Zahnhalsfüllungen)
  • Versorgung von Wurzelkaries

Im Rahmen der genannten Anwendungsmöglichkeiten sind EQUIA® – Füllungen für die Basisversorgung geeignet und werden von der GKV (gesetzlichen Krankenversicherung) getragen.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • dauerhafte Versorgung großflächiger Defekte
  • Pulpaüberkappung (direkter Kontakt mit freiliegendem Zahnmark)
  • Sensibilisierung gegen einen der Inhaltsstoffe

Das Verfahren

  • Präparation der Kavität ohne zusätzliche mechanische Retentionen (Vorbereiten des Loches ohne Unterschnitte zur Verbesserung des mechanischen Halts der Füllung)
  • ggf. Pulpenüberkappung (Überdeckung eventuell frei liegenden Zahnmarks) mit einem Calciumhydroxid-Präparat
  • Auftragen von Conditioner (Polyacrylsäure 10 %-ig für 20 Sek. oder 20 %-ig für 10 Sek.)
  • Conditioner gründlich mit Wasser abspülen und sanft mit Luftstrom trocknen. Dentin (Zahnbein) muss noch feucht glänzen.
  • Aktivierung der Anmischkapsel (enthält voneinander zunächst getrennte flüssige und pulvrige Phase)
  • Mischen: 10 Sek. im Rüttler. Die Verarbeitungszeit ab Mischbeginn beträgt 75 Sek.
  • Füllen: Sofort nach Beendigung des Mischvorgangs Kapselinhalt in die Kavität (Loch im Zahn) einbringen. Konturen mit Stopfinstrumenten ausformen.
  • Abbinden: In den ersten zweieinhalb Minuten nach Mischbeginn darf das Material weder zu feucht werden noch austrocknen. Sollte dies nicht garantiert werden können: sofort das Coating zum Schutz auftragen und lichthärten.
  • Ausarbeitung: Zweieinhalb Minuten nach Mischbeginn kann die Füllung mit superfeinen Diamantfinierern ausgearbeitet werden.
  • Vorbereitung für das Coating: Bohrstaub und Speichel mit Wasserspray entfernen. Füllungsoberfläche mit Luftstrom vorsichtig trocknen, aber nicht übertrocknen.
  • Coating: EQUIA® Coat mit Mikrotip (Minipinsel) auftragen und sofort von allen Seiten je 20 Sek. lang photopolymerisieren (lichthärten). Polymersiationslampe dabei möglichst dicht an die Füllung bringen.
  • Patienteninstruktion: Die Füllung sollte eine Stunde lang nicht belastet werden.

Mögliche Komplikationen

  • Kontakt mit der Haut und Schleimhaut vermeiden. Ggf. mit Wattepellet entfernen und nach der Fertigstellung der Füllung gründlich mit Wasser spülen.
  • Bei Augenkontakt gründlich spülen und Augenarzt aufsuchen.
  • Die Schleimhaut verfärbt sich möglicherweise nach Kontakt mit dem Coating weiß oder bildet Blasen. Die Anzeichen verschwinden nach 1-2 Wochen. In dieser Phase die Schleimhaut möglichst in Ruhe lassen.
  • Nicht zeitgleich mit Desensitizeren (Lacken gegen überempfindliches Zahnbein) oder eugenolhaltigen (Nelkenöl enthaltenden) Präparaten verwenden, da die Aushärtung des Coating inhibiert (gehemmt) werden kann.

Literatur

  1. Herstellerinformationen der GC Germany GmbH
  2. Lohbauer U, Krämer N, Uebereck C, Wöstmann B, Frankenberger R: Glasionomerzemente für die Kinderzahnheilkunde. Quintessenz Verlag 2012; 63 (5): 639 - 644
  3. Burghardt D: Glasionomer-basierte Systeme auf dem Vormarsch: Glasionomer-basierte Systeme auf dem Vormarsch. Interview Frankenberger R. ZWP 4 (2012): 96 - 99
     
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