Apexifikation

Unter Apexifikation versteht man ein Verfahren, das vor allem bei devitalen (abgestorbenen) jugendlichen Zähnen mit noch nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum eingesetzt wird. Ziel der Apexifikation ist eine natürliche oder künstliche Hartsubstanzbarriere an der Wurzelspitze, ohne die eine dichte Wurzelfüllung des Zahns nicht möglich ist.

Zähne mit abgeschlossenem Wurzelwachstum haben am Apex (an der Wurzelspitze) eine apikale Konstriktion (verengte Stelle an der Wurzelspitze), an der der Wurzelkanal durch Hartsubstanzanlagerung den schmalsten Querschnitt aufweist. Ohne diese Einengung besteht bei der Wurzelfüllung eines Zahns die Gefahr, Material ins umliegende apikale Gewebe, den Knochen und bei Behandlung im Oberkiefer auch in die Kieferhöhle zu überstopfen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Wenngleich das Verfahren der Apexifikation vorrangig bei noch nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum eingesetzt wird, kommen prinzipiell alle Einsatzmöglichkeiten in Betracht, bei denen es darum geht, eine apikale Konstriktion zu schaffen:

  • irreversible Pulpitis (nicht rückgängig zu machende Zahnmarkentzündung) eines vitalen Zahns mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, nach Trauma oder kariesbedingt;
  • unreifer Zahn nach Trauma, der zwar noch keine Pulpitis zeigt, bei dem aber über einen längeren Beobachtungszeitraum die Revaskularisierung (Wiederanschluss des beim Trauma abgerissenen Nerven-Gefäßbündels, das das Zahnmark bildet), nicht erfolgt ist;
  • devitaler (abgestorbener) Zahn mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum und ersten röntgenologischen Anzeichen von Wurzelresorptionen;
  • ursprünglich reifer Zahn mit abgeschlossenem Wurzelwachstum, der durch Karies oder Trauma (Zahnunfall) eine Wurzelresorption von apikal her (von der Wurzelspitze ausgehend) zeigt und demzufolge keine apikale Konstriktion mehr besitzt;
  • Wurzelquerfraktur.

Die Verfahren

Angewendet werden das Calcium-Hydroxid-Verfahren und das MTA-Verfahren. Während ersteres eine Apexifikation durch natürliche Hartsubstanzbildung über 6 bis 18 Monate bewirkt, wird beim Einsatz von MTA  eine künstliche Hartsubstanzbarriere geschaffen und der Zahn innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit definitiv (abschließend) versorgt. Da jugendliche Zähne ein sehr großes Wurzelkanallumen (Hohlraum) besitzen, ist die Gefahr groß, dass sie beim Warten auf die Hartsubstanzbildung durch Fraktur (Bruch) verloren gehen, da die weich bleibenden medikamentösen Calciumhydroxideinlagen den Zahn nicht stabilisieren.

Für beide Verfahren sei gleichermaßen gesagt, dass jede endodontische Behandlung (Behandlung des Wurzelkanalsystems einschließlich der Wurzelspitze) nur so gut sein kann, wie die darauf folgende bakteriendichte Restauration der Zahnkrone, mit der dauerhaft das Eindringen von Bakterien in den Wurzelkanal verhindert werden muss.

1. Calcium-Hydroxid-Verfahren

Calciumhydroxid stimuliert über seinen stark basischen pH-Wert reaktiv langsam die Neubildung von Zahnhartsubstanz im apikalen (Wurzelspitzen-) Bereich und wird deshalb auch zur direkten Überkappung der Pulpa (des Zahnmarks) nach deren Eröffnung eingesetzt.

  • wenn möglich, sollte die Behandlung jeweils unter absoluter Trockenlegung erfolgen;
  • Exstirpation des nekrotischen Pulpengewebes (Entfernung des abgestorbenen Zahnmarks);
  • mechanisches Reinigen: Abspanen von Wurzelkanalwand-Material mittels Wurzelkanalinstrumenten (z. B. Reamern und Feilen);
  • chemische Entfernung des smear layers (der der Wurzelkanalwand aufgelagerten Schmierschicht) mit Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA);
  • chemische Desinfektion mit Wurzelkanalspülungen (z.B. Hypochlorit);
  • Trocknen mit Papiersitzen;
  • Einbringen von Calciumhydroxid und anschließendes Verdichten;
  • Röntgenkontrolle alle drei Monate;
  • zeitgleiche Erneuerung der Calciumhydroxid-Einlage als temporäre (zeitlich begrenzte) Wurzelfüllung;
  • bei röntgenologisch nachweisbarer Apexifikation: abschließende Wurzelkanalfüllung.

2. MTA-Verfahren

Mineral-Trioxid-Aggregat, kurz MTA, ist ein Portland-Zement-Derivat. Das Pulver enthält  Calciumsilicate, Bismuthoxid, Calciumsulfat sowie Aluminiumverbindungen und erreicht nach dem Anmischen mit destilliertem Wasser einen pH-Wert von 12,5, wirkt also ebenfalls stark basisch. Anders als Calciumhydroxid bindet das Material innerhalb von vier Stunden zu einem festen Zement ab.

  • wenn möglich, absolute Trockenlegung;
  • Exstirpation;
  • mechanische Reinigung;
  • chemische Entfernung des smear layers;
  • chemische Desinfektion;
  • Trocknen mit Papierspitzen;
  • Einbringen von Calciumhydroxid für ca. eine Woche;
  • nach einer Woche Entfernung des Calciumhydroxids, desinfizierendes Spülen, Trocknen;
  • direkte Apexifikation: Einbringen einer ca. 5mm hohen MTA-Schicht in den apikalen Bereich (Wurzelspitzenbereich) und Verdichten mittels eines Handpluggers (Stopfinstruments); optional kann vorab ein resorbierbares Material eingebracht werden, gegen welches der MTA-Zement dann mit leichtem Stopfdruck verdichtet werden kann. Dadurch wird die Gefahr der MTA-Überstopfung verringert.
  • Einbringen einer feuchten Papierspitze auf den Zement, der daraus während des Abbindens mit Wasser versorgt wird;
  • provisorische Versorgung;
  • am Folgetag: Entfernung der Papierspitze, Trocknung, abschließende Wurzelkanalfüllung mit konventionellen Materialien (Guttapercha und Sealer).

Literatur

  1. Klimm W: Endodontologie: Grundlagen und Praxis. Deutscher Zahnärzte Verlag 2003
  2. Bargholz C, Hör D, Zirkel C: Praxisleitfaden Endodontie. Urban & Fischer Verlag 2006
  3. Weber T: Memorix Zahnmedizin. Georg Thieme Verlag 2010
  4. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Prognose von Wurzelkanalbehandlungen. (DGZMK) 11/2000

     
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