Periotron-Messverfahren

Mit Hilfe des Periotron®-Messverfahrens wird die Entzündung eines Parodonts (Synonym: Periodont, Zahnhalteapparat) durch die quantitative Bestimmung der im Sulkus (Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch) abgesonderten Flüssigkeit diagnostiziert. Deren Menge steht in Korrelation (Wechselbeziehung) zum Entzündungsgrad der parodontalen Gewebe.

Dank des wachsenden Gesundheitsbewusstseins nimmt die zahnärztliche Frühdiagnostik einen größeren Raum ein als noch vor einigen Jahren. Dabei beziehen sich die diagnostischen Maßnahmen nicht nur auf Erkrankungen der Zähne wie z. B. Karies (Zahnfäule) oder Erosionen (Zahnhartsubstanzverlust durch Säureeinwirkung), sondern auch auf den Zustand des Parodonts. Hier ist es sinnvoll, frühe Warnzeichen einer Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) zu entdecken, um so durch engmaschigere Nachsorgetermine und Intensivierung oder Verbesserung der Mundhygienetechnik irreversible Schäden abzuwenden. Auch Anzeichen einer Periimplantitis (Entzündung der Umgebung eines Implantats) sind diagnostizierbar.

Bevor sich eine Entzündung des Zahnhalteapparates in Form einer Parodontitis entwickeln kann, entsteht zunächst eine Entzündung des marginalen (Rand-) Anteils des Parodonts, die Gingivitis (Zahnfleischentzündung). Die Menge der im Sulkus (Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch) abgesonderten Flüssigkeit nimmt mit dem Schweregrad der entzündlichen Zahnfleischveränderung zu und ist in frühen Erkrankungsstadien besonders aussagekräftig. Bei einer fortgeschrittenen Parodontitis hingegen nimmt das Exsudat (abgesonderte Flüssigkeit) wieder ab.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Das Periotron®-Messverfahren zur elektronischen Auswertung der Fließrate (Menge) der Sulkusflüssigkeit liefert objektive und reproduzierbare Ergebnisse und wird somit sinnvoller Weise angewendet

  • zur Frühdiagnostik einer entzündlichen Erkrankung der Gingiva (des Zahnfleischs) bzw. des Parodonts (des Zahnhalteapparates)
  • im Rahmen von Verlaufs- und Nachkontrollen parodontal erkrankter Patienten
  • als überzeugende Motivationshilfe im Patientengespräch zur Optimierung der Mundhygienetechnik

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • keine

Das Verfahren

  • zunächst spült der Patient zweimal mit Wasser für 10 sec aus
  • noch verbliebener Speichel wird ausgespuckt
  • nach 30 sec wird neu gebildeter Speichel nochmals heruntergeschluckt
  • für 10 sec wird mit 3 ml destilliertem Wasser ausgespült
  • Die Zähne werden mit Watterollen trockengelegt, um das Verfälschen des Messwerts durch Speicheltropfen zu verhindern.
  • Zum Messen der minimalen Flüssigkeitsmenge wird ein genormter Filterpapierstreifen (Periopaper) verwendet.
  • Dieser wird vorsichtig, ohne Schmerzen zu verursachen, in die Zahnfleischtasche geschoben, bis ein leichter Widerstand zu spüren ist.
  • Das Exsudat wird 5 - 30 Sekunden lang aufgesogen (Herstellerangaben beachten).
  • Das Filterpapier wird im Periotron® zwischen Sensoren (Kondensierfeld) geklemmt, die unmittelbar den Wert der dielektrischen Konstante messen, welche sich durch die Flüssigkeit verändert.
  • Die elektrische Kapazität der Sensoren des Kondensators steigt mit der Menge der Sulkusflüssigkeit.
  • Der digital angezeigte Zahlenwert korreliert mit dem Flüssigkeitsvolumen und dem Schweregrad der Entzündung
Messwert Grad der Erkrankung
  0 - 10 gesund
10 - 40 leichte Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
 > 40 etablierte Gingivitis oder Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates)

Mögliche Komplikationen

Auf das sachgemäße Trockenlegen der zu untersuchenden Zähne muss großen Wert gelegt werden, da vom Filterpapier anstelle des Sulkusflüssigkeit aufgesaugter Speichel die Messwerte verfälschen kann.

Literatur

  1. Hellwege K.-D.: Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe. Ein Leitfaden für die Individualprophylaxe, Gruppenprophylaxe und initiale Parodontaltherapie. Thieme Verlag 2003: 52
  2. Tinschert J.: Zahnheilkunde in Checklisten. Band 1. Spitta Verlag 2002
  3. Wachtel H.: Sulcus-Fluid-Fließ-Rate und Periotron als klinische Testmethoden zur Feststellung parodontaler Insuffizienz. Dissertation Univ. Tübingen, Med. Fak. 1982: 30
  4. Schrott A. R., Linke J.-J., Graef F., Wichmann M. G., Heckmann S. M.: Teleskopstabilisierter Zahnersatz auf zwei interforaminalen Implantaten- klinische und röntgenologische 10-Jahres-Ergebnisse. Zeitschrift für Zahnärztliche  Implantologie 2004; 20(2): 103

     
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