Diese Entzündung kann entweder akut oder chronisch (dauerhaft) auftreten.
Symptome – Beschwerden
Patienten, die an Osteomyelitis der Kieferknochen leiden, können unter anderem folgende Symptome aufweisen:
- Schmerzen
- Schwellung
- Knochenauftreibung
- Okklusionsstörungen – Zähne passen nicht richtig aufeinander
- Funktionsstörungen – Sensibilitätsstörungen
- Zahnlockerung
- Foetor ex ore (Mundgeruch)
- Fistelbildung
- Freiliegender Knochen
- Sequesterbildung
- Allgemeinsymptome – Fieber, Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung)
Ursachen
Die Osteomyelitis entsteht durch eine Infektion des Knochenmarks. Zu einer solchen Infektion kann es beispielsweise im Rahmen einer periapikalen Ostitis (Knochenentzündung) kommen. Andere mögliche Ursachen sind parodontale Infekte oder eine Ostitis nach Zahnextraktion (Zahnentfernung).
Ebenso kann es nach einem Kiefertrauma (Verletzung des Kiefers) zur Entstehung einer Osteomyelitis kommen.
Im Verlauf einer Osteomyelitis kann es zur Entstehung von Kiefernekrosen (Absterben von Kieferknochen) kommen. Die abgestorbenen Kieferknochenbereiche werden als Sequester bezeichnet.
Risikofaktoren
- Allgemeine Grunderkrankungen – z. B. Diabetes mellitus
- Immundefizienz – schlechte Abwehrlage des Patienten
- Durchblutungsstörungen
- Vorgeschädigtes Gewebe
Folgeerkrankungen
Die Infektion kann sich regional oder diffus ausbreiten. Bei ausgeprägter Knochenschädigung können pathologische Frakturen auftreten.Diagnostik
Radiologisch ist eine Osteolyse (Knochenschwund) typisch, die Knochendichte ist im betroffenen Kieferabschnitt verändert. Pathologische Frakturen können vorliegen, wenn der Knochen bereits stark geschwächt ist.
Mittels Szintigraphie kann festgestellt werden, in welchen Bereichen des Kieferknochens ein Verdacht auf Osteomyelitis besteht.
Um die Diagnose Osteomyelitis sicher stellen zu können, muss eine Biopsie (Gewebeentnahme) der verdächtigen Region entnommen und histologisch (feingeweblich) untersucht werden. Gleichzeitig kann mit Hilfe der Probe auch eine Erreger- und Resistenzbestimmung durchgeführt werden.
Weiterführende Untersuchungen des Kopfes wie Magnetresonanztomographie (craniale MRT; cMRT), Computertomographie (craniale CT; cCT) und Sonographie (Ultraschall) geben zusätzlich Aufschluss über eine mögliche Erkrankung.
Therapie
Je nach Grad der Erkrankung kann mitunter eine konservative Therapie ausreichen, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Hierzu werden zunächst Antibiotika verabreicht. Das Mittel der ersten Wahl ist Penicillin. Bei Resistenzen wird Aminopenicillin in Kombination mit einem ß-Laktamasehemmer empfohlen. Alternativ können Lincosamine, Cephalosporine oder Makrolide eingesetzt werden. Als Reserveantibiotikum steht Carbapeneme zur Verfügung.
Ein weiteres Medikament, welches bei Osteomyelitis zum Einsatz kommt, sind Bisphosphonate.
Als nicht-medikamentöse Therapie kann eine hyperbare Sauerstofftherapie durchgeführt werden. Hierbei wird das Blut der Patienten mit Sauerstoff angereichert, der vermehrt zum Knochen gelangt und dessen Regeneration positiv unterstützt.
Ist eine konservative Therapie nicht ausreichend, kann operativ behandelt werden.
Hierbei werden in einer Sequestrektomie die abgestorbenen Knochenanteile entfernt.
Mittels Dekortikation kann die Kortikalis (äußere Knochenschicht) entfernt werden, um eine bessere Vaskularisation (Gefäßversorgung) zu ermöglichen.
Als letztmögliche Therapie gilt die Kieferteilresektion – Entfernung zerstörter Kieferabschnitte –, um eine weitere Ausbreitung der Entzündung im Kieferknochen zu verhindern.
Die entfernten Kieferabschnitte können entweder mittels Knochentransplantat oder durch Platten ersetzt werden.
Literatur
- Adekeye, E.O., Cornah, J.: Osteomyelitis of the jaws: a review of 141 cases. Br J Oral Maxillofac Surg 23, 24 (1985).
- Al-Nawas B. Grötz K.A. Piesold, J.-U. Osteomyelitis. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. 03/2008
- Balm, A.J., Tiwari, R.M., de Rijcke, T.B.: Osteomyelitis in the head and neck. J Laryngol Otol 99, 1059 (1985).
- Bartkowski, S.B., Zapala, J., Heczko, P., Szuta, M.: Actinomycotic osteomyelitis of the mandible: review of 15 cases. J Craniomaxillofac Surg 26, 63 (1998).Federspil, P.H.: Antibiotika-Therapie der Infektionen an Kopf und Hals - Leitlinien, im Auftrag des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Arzneimitteltherapie 18, 350 (2000).
- Feifel, H., Friebel, S., Riediger, D.: Verlauf und Therapie der Osteomyelitis des Gesichtsschädels. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 691 (1997). Handschel J, Brüssermann S, Depprich R, Ommerborn M, Naujoks C, Kübler NR, Meyer U. Evaluation of hyperbaric oxygen therapy in treatment of patients with osteomyelitis of the mandible. Mund Kiefer Gesichtschir. 11, 285 (2007)
- Hardt, N.: [Osteomyelitis: scintigraphy. Bone scintigraphic studies in osteomyelitis of the jaws]. Schweiz Monatsschr Zahnmed 101, 318 (1991).
- Koorbusch, G.F., Fotos, P., Goll, K.T.: Retrospective assessment of osteomyelitis. Etiology, demographics, risk factors, and management in 35 cases. Oral Surg Oral Med Oral Pathol 74, 149 (1992).
- Luhr, H.G., Maerker, R., Blumel, J.: [Surgical technic in the treatment of mandibular osteomyelitis]. Dtsch Zahnarztl Z 33, 814 (1978).
- Montonen, M., Iizuka, T., Hallikainen, D., Lindqvist, C.: Decortication in the treatment of diffuse sclerosing osteomyelitis of the mandible. Retrospective analysis of 41 cases between 1969 and 1990. Oral Surg Oral Med Oral Pathol 75, 5 (1993).
- van Merkesteyn, J.P., Groot, R.H., Bras, J., McCarroll, R.S., Bakker, D.J.: Diffuse sclerosing osteomyelitis of the mandible: a new concept of its etiology. Oral Surg Oral Med Oral Pathol 70, 414 (1990).
- van Merkesteyn, J.P., Groot, R.H., van den Akker, H.P., Bakker, D.J., Borgmeijer-Hoelen, A.M.: Treatment of chronic suppurative osteomyelitis of the mandible. Int J Oral Maxillofac Surg 26, 450 (1997).









DocMedicus
Newsletter
DocMedicus Expertenrat



