Lippenkorrektur
Volle Lippen verleihen dem Gesicht eine jugendliche und sinnliche Ausstrahlung. Durch Unterspritzung oder operative Eingriffe zur Lippenkorrektur werden die Lippen modelliert, erhalten mehr Volumen und kleinere Fältchen werden geglättet.

Schmale oder von Fältchen umrahmte Lippen lassen ein Gesicht streng wirken und entsprechen nicht unserem Schönheitsideal. Hier können Volumen aufbauende Maßnahmen zur Harmonisierung der Gesichtszüge verhelfen. Im umgekehrten Falle könne zu wulstig wirkende Lippen durch operative Maßnahmen reduziert werden. 

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Harmonisierung der Gesichtszüge

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • allgemeinmedizinische Befunde, die ein operatives Vorgehen verbieten
  • nicht abgeschlossenes Wachstum (Kindes- und Jugendalter)

Vor den Verfahren

In einem ausführlichen Aufklärungsgespräch werden die verschiedenen Verfahren und die damit verbundenen Risiken erläutert. Insbesondere wird auf die Möglichkeit einer sichtbaren Narbenbildung nach einer operativen Vorgehensweise hingewiesen. Eine Gesichtsanalyse trägt zur Entscheidung für ein spezielles Verfahren ebenso bei wie ein Allergietest, der bei der Anwendung bestimmter Materialien indiziert ist, so z. B. bei Kollagen als Füllflüssigkeit.

Die Verfahren

Je nach Schwere des Eingriffs werden Lippenkorrekturen unter Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) oder Vollnarkose durchgeführt.

I. Unterspritzung mit körperfremdem Kollagen

Kollagen ist Bestandteil tierischen Bindegewebes. Zur Unterspritzung wird speziell aufbereitetes Rinderkollagen verwendet. Die Herstellungstechnik soll allergische Reaktionen minimieren. Dennoch ist vier Wochen vor dem geplanten Eingriff ein Allergietest indiziert.

Zum Volumenaufbau der Lippen wird das Kollagen unter Lokalanästhesie direkt mit einer feinen Kanüle injiziert.

Da das Kollagen vom Körper allmählich abgebaut wird, ist der Behandlungserfolg auf etwa ein Jahr befristet. Anschließend kann der Eingriff jederzeit wiederholt werden.

Mögliche Komplikationen

  • Allergische Reaktionen
  • Nach einer Implantation von Rinderkollagen entwickeln Patienten häufiger als die Durchschnittsbevölkerung Kollagenosen wie Dermatomyositis oder Polymyositis. Die Krankheitssymptome entwickeln sich bis zu 24 Monate nach dem Eingriff. Der Krankheitsverlauf entspricht dem einer fortschreitenden Autoimmunerkrankung. Die Nutzen-Risiko-Relation erscheint somit bedenklich [5].
  • Nekrose (Untergang von Gewebe) – insbesondere bei schlechter Durchblutung, z. B. bei Rauchern

II. Unterspritzung mit Eigenfett

Um Reaktionen auf körperfremdes Gewebe zu vermeiden, kann der Volumenaufbau der Lippen mit Eigenfett vorgenommen werden. Hierfür erfolgt zunächst an einer geeigneten Körperstelle, z. B. an der Hüfte oder am Bauch, eine Liposuktion: unter Lokalanästhesie  wird Eigenfett abgesaugt und vor der Weiterbehandlung speziell aufbereitet.

Zum Injizieren (Einbringen) des Fetts hat sich die FAMI-Technik (facial autocraft muscle injection, nicht-invasive wiederherstellende Eigenfett-Implantationstechnik) bewährt. Anders als beim klassischen Lipofilling (Eigenfettauffüllung), bei dem mit scharfen Kanülen gearbeitet wird, werden in der FAMI-Technik stumpfe Kanülen mit seitlichen Öffnungen verwendet und tief ins Gewebe eingeführt. Zur besseren Verteilung des Füllmaterials wird das Gewebe am Injektionsort mit Hilfe der stumpfen Kanülen aufgelockert. So wird das Fett in den Gewebeverbund der Zellen eingebaut und das Bindegewebe veranlasst, Kollagenfasern zu bilden, wodurch das Behandlungsergebnis über einen längeren Zeitraum stabil bleibt.

Mit Eigenfett wird die Lippenkontur modelliert und das Lippenrot intensiviert. Die Dauer des Behandlungserfolgs lässt sich nicht vorhersagen. Eine Wiederholung der Behandlung ist jederzeit möglich.

Nach dem Verfahren

Neben dem Einschränken der Mimik in der postoperativen Woche sollte bis zu vier Wochen auf körperlich anstrengende Tätigkeiten, Sonnenbäder etc. verzichtet werden.

Mögliche Komplikationen

  • Schwellungen
  • Hämatome (Blutergüsse)
  • Entzündungen
  • Erysipel (akute Hautinfektion, die oft mit Fieber und Schüttelfrost einhergeht)
  • Sensibilitätsstörungen
  • Verrutschen des Fettpolsters bei zu heftigen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur in den Tagen nach dem Eingriff

III. Unterspritzung mit Hyaluronsäure

Die Injektion von Hyaluronsäure, einem Polysaccharid und natürlichen Bestandteil des Bindegewebes, hat sich gleichermaßen bewährt. Sie wird sowohl aus tierischem Gewebe gewonnen als auch synthetisch (NASHA-Gel: nicht animalische stabilisierte Hyaluronsäure) hergestellt, wodurch allergische Reaktionen nahezu ausgeschlossen werden.

Hyaluronsäure dient als Feuchtigkeitsspeicher, wodurch die Haut mehr Volumen aufbaut. Mit Hyaluronsäure können Fältchen geglättet und auch dem Lippenrot mehr Volumen verliehen werden. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten.

Der Erfolg einer Unterspritzung, die unter Lokalanästhesie erfolgt, dauert etwa ein halbes Jahr an, da die Hyaluronsäure vom Körper allmählich abgebaut wird. Jedoch bleiben etwa 20% des gewonnenen Volumens erhalten, da zusätzliches Bindegewebe neu gebildet wird.

Nach dem Verfahren

Nach der Behandlung sollte für einige Tage auf starke Wärmeeinwirkung verzichtet werden (Sauna, Sonnenbad).

Mögliche Komplikationen

Die Hyaluronsäurebehandlung gilt als sehr gut verträgliches Verfahren. Dennoch können folgende Komplikationen auftreten:

  • Rötungen
  • Schwellungen
  • Hämatome (Blutergüsse)
  • Infektion (Entzündung)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen (sehr selten)
  • Bis zu Monate verzögert einsetzende Knötchenbildung

IV. Unterspritzung mit Poly-L-Milchsäure

Poly-L-Milchsäure (Synonym: Polymilchsäure; engl.: polylactic acid, kurz: PLA) wird synthetisch hergestellt und ist biokompatibel. Ein vorausgehender Allergietest ist nicht erforderlich. Das Füllverfahren wird auch als Liquid Lift/-ing bezeichnet. Wie die drei erstgenannten Füllmaterialien wird auch Polymilchsäure (Sculptra®) nach der Injektion allmählich abgebaut, regt aber die Produktion von Bindegewebe und Regeneration von Kollagenfasern an und führt dadurch zu Volumenaufbau.

An maximal drei Terminen von jeweils etwa einer halben Stunde werden im Abstand von jeweils vier bis sechs Wochen Injektionen vorgenommen, um in den Intervallen Bindegewebsneubildung abzuwarten. Der Behandlungserfolg soll bis zu zwei Jahren anhalten.

Nach dem Verfahren

  • In den ersten 24 Stunden kühlen, um Schwellungen zu reduzieren
  • die behandelten Areale in den ersten Tagen mehrmals täglich massieren
  • Sonnenlicht und künstliches UV-Licht meiden

Mögliche Komplikationen

  • Rötungen
  • Schwellungen
  • Infektionen
  • Knötchenbildung

V. Unterspritzung mit Silikonöl

Ein verantwortungsbewusster Operateur wird von flüssigem Silikon als Füllsubstanz dringend abraten. Zum einen verbleibt es nicht stationär am Injektionsort, sondern wandert unkontrolliert in tiefere Hautschichten ab und verursacht entzündliche Verhärtungen, zum anderen lässt es sich nicht mehr operativ entfernen. Silikonöl ist daher als Füllflüssigkeit verboten.

VI. Implantation von Konturfäden

Das Einziehen eines Konturfadens aus Polytetrafluorethylen (GoreTex®, SoftForm®) führt zu einem dauerhaften Behandlungsergebnis, da das Material nicht vom Körper abgebaut wird. Umgekehrt kann der Konturfaden jederzeit wieder entfernt werden.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Dauerhafte Lippenvergrößerung durch Konturierung der Lippenrot-Lippenweiß-Grenze
  • Umgehung von Materialien zur Unterspritzung
  • Umgehung einer operativen Lippenvergrößerung

Das Verfahren

Seitlich an den Mundwinkeln wird jeweils ein sehr kleiner Schnitt angelegt und ein schlauchförmiger Konturfaden an der Grenze von Lippenrot zu Lippenweiß unter die tiefste Hautschicht tunnelierend durchgezogen. Die Schnitte werden mit feinen Nähten versorgt.

Nach dem Verfahren

Mimische Bewegungen müssen für einige Tage eingeschränkt werden. Die Nahtentfernung kann nach etwa fünf Tagen erfolgen. Sportliche Aktivitäten, Sonnenbäder etc. können nach zehn Tagen wieder aufgenommen werden.

Mögliche Komplikationen

  • Starke Schwellung für bis zu einer Woche
  • Hämatom (Bluterguss)
  • Infektion (Entzündung)
  • Fistelbildung
  • Bildung von Wundsekret (Wundwasser)
  • Verhärtung – Die Konturfäden werden von einer bindegewebigen Kapsel umschlossen. In wenigen Fällen ist das Material nach der Ausheilung tast- und fühlbar. Die anfängliche Verhärtung kann nach mehreren Wochen wieder zurückgehen.
  • Wundheilungsstörungen mit Notwendigkeit der Implantatentfernung
  • Unzureichender oder übermäßiger Volumenaufbau
  • Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen gegen das Implantatmaterial

VII. Operative Lippenvergrößerung

Das Verfahren

Die Schnittführung erfolgt entlang des Lippenrots. Ein zweiter Schnitt wird parallel dazu in Abhängigkeit vom gewünschten Operationsergebnis in einem Abstand von wenigen Millimetern dazu angelegt. Das dazwischen befindliche Hautareal wird entfernt, die Wundränder in feinster Nahttechnik verdeckt miteinander verbunden. Dadurch wird das Lippenrot nach außen aufgeschürzt und optisch verbreitert.

Die Methode verlangt dem Operateur eine perfekte Nahttechnik ab, da Narben entlang der Oberlippe sehr auffällig sind.

Nach dem Verfahren

Während der etwa zehn Tage dauernden Abheilungsphase sollte die Mimik eingeschränkt werden. Verbleibt nach der Ausheilungsphase eine sichtbare Narbe, liefert die Kaschierung mit Permanent-Make-Up durch eine erfahrene Fachkosmetikerin gute Ergebnisse.

VIII. Lederhautverpflanzung

Die Methode eignet sich zur Verlängerung verkürzt wirkender Lippen. Hierfür muss körpereigene Haut an einer Stelle entnommen werden, welche der die Lippen umgebenden Gesichtshaut in Farbe und Textur weitgehend entspricht. Über kleine Inzisionen (Schnitte) in den Mundwinkeln wird die transplantierte Haut so eingesetzt, dass ein ästhetisch ansprechendes Ergebnis erzielt wird.

Nach dem Verfahren

Eine Woche nach der Operation werden die Nähte entfernt und Nachsorge- bzw. Kontrolltermine vereinbart.

Mögliche Komplikationen

  • Entzündung des Operationsgebiets
  • allergische Reaktion auf Injektionsflüssigkeiten
  • dauerhaftes Taubheitsgefühl
  • Narbenbildung
  • Schwellungen und Rötungen

Literatur

  1. Mang W. L.: Mein Schönheitsbuch: Die Wahrheit – Haifischbecken Schönheitschirurgie. Trias Verlag 2006: 141-143
  2. Wörle B., Sattler G.: Ästhetische Chirurgie. Kohlhammer Verlag 2007: 38
  3. Heppt W., Bachert C.: Praktische Allergologie. Thieme Verlag 2011: 329
  4. Schwenzer N., Ehrenfeld M.: Spezielle Chirurgie, Thieme Verlag 2002: 422
  5. Cukier J. et al.: Association between bovine collagen dermal implants and a dermatomyositis or a polymyositis-like syndrome. Ann. Intern. Med. 118 (1993), 920
  6. Herstellerinformationen der Sinclair Pharma GmbH
  7. Küper C.: Möglichkeiten und Grenzen von "Anti-Aging-Produkten". Erwartungshaltung in der Bevölkerung. Grin Verlag 2009
  8. Köhn F.-M., Ring J. (Hrsg.): Fallstricke und Fehlerquellen in der Dermatologie. Springer Verlag/Wien 2004

     
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