Speicheltest auf Streptococcus mutans

Der Nachweis einer übermäßigen Belastung des Speichels mit Streptococcus mutans (S. mutans, Mutans-Streptokokken) als wichtigstem Karieskeim gilt als Indiz für das erhöhte Kariesrisiko eines Patienten, da die Speichelbelastung mit dem Vorkommen von S. mutans in der Plaque (im Zahnbelag) korreliert.

Es gibt verschiedene diagnostische Parameter, die dazu beitragen können, das individuelle Risiko eines Patienten, an Karies zu erkranken, zu ermitteln, so beispielsweise:

  • Beurteilung der Karieserfahrung (z. B. vorhandene Füllungen)
  • Beurteilung der Mundhygiene
  • Vorliegen von kariösen Initialläsionen (sichtbare weißliche Entkalkungen)
  • Bestimmung der Speichelfließrate
  • Speicheltest auf S. mutans
  • Speicheltest auf Laktobazillen

Speicheltests bieten den Vorteil, dass sie vorbeugend Hinweise auf ein zu erwartendes kariöses Geschehen liefern können. Somit haben ihre Ergebnisse Einfluss auf das für einen Patienten erstellte Prophylaxeprogramm. Dennoch bleibt zu bedenken, dass das Kariesrisiko von vielen Faktoren abhängig ist, zeitabhängigen Schwankungen unterliegt und somit die Ergebnisse eines Speicheltests eine Momentaufnahme darstellen. In ihrer Aussagekraft sind sie klinischen Prädiktoren wie verfärbten Fissuren (Grübchen im Kauflächenrelief der Seitenzähne) und kreidigen Entkalkungen auf Glattflächen der Zähne unterlegen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Indikation, Speichel hinsichtlich der Keimzahl auf kariogene Mutans-Streptokokken zu untersuchen, ergibt sich im Rahmen der Individualprophylaxe:

  • Individuelle Erstellung eines präventiven (vorbeugenden) Prophylaxeprogramms: In die Empfehlungen, die der Patient für Fluoridierungsmaßnahmen, Ernährungsumstellung und Recallintervalle (Abstand der Zahnarztbesuche) bekommt, fließen die Ergebnisse des Speicheltests ein
  • Zur Verlaufskontrolle der individuellen Prophylaxemaßnahmen
  • Zur Verlaufskontrolle Keim reduzierender Maßnahmen wie z. B. einer vierzehntägigen Chlorhexidin-Therapie, die der Keimreduktion von Mutans-Streptokokken dient

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Der Speicheltest auf S. mutans darf nicht während oder nach einer Antibiotikatherapie des Patienten stattfinden, die weniger als 14 Tage zurückliegt
  • Eine antibakterielle Mundspüllösung darf in den 12 Stunden vor der Untersuchung nicht verwendet werden.

Vor der Untersuchung

Zunächst wird eine Speichelprobe gesammelt, sinnvoller Weise in Verbindung mit einer Bestimmung der Speichelfließrate, für die der Patient fünf Minuten lang auf einem Paraffinpellet kaut und den dabei entstehenden Speichel in einem Becher sammelt. Die produzierte Menge lässt Aussagen über die natürliche Reinigungsfähigkeit des Speichels durch Umspülen der Zähne zu. Anhand der Speichelprobe kann außerdem die Pufferkapazität des Speichels ermittelt werden, die, wie auch die Menge produzierten Speichels, Rückschlüsse auf die Kariesanfälligkeit des Gebisses zulässt.

Da man über längere Zeiträume vergleichbare Ergebnisse bekommen möchte, bestehen von Herstellerseite (CRT®buffer von Ivoclar Vivadent) folgende Empfehlungen, die sich auf das Verhalten mindestens eine Stunde vor dem Test beziehen:

  • nichts essen
  • nichts trinken
  • nicht Kaugummi kauen
  • nicht rauchen
  • nicht Zähne putzen

Das Verfahren

Von der Fa. Ivoclar Vivadent werden leicht zu handhabende, beidseitig beschichtete Nährbodenträger in Proberöhrchen angeboten (CRT®bacteria):

  • Die mit blauem Agar (Nährboden) beschichtete Trägerseite dient der Keimzahluntersuchung von S. mutans.
  • Die mit hellem Agar beschichtete Trägerseite dient der Keimzahluntersuchung von Laktobazillen.
  1. Der Agarträger wird dem Proberöhrchen entnommen.
  2. Auf den Boden des Röhrchens wird eine NaHCO3-Tablette gelegt. Das Natriumhydrogencarbonat gibt während der Inkubationszeit der Speichelprobe CO2 (Kohlendioxid) ab und sorgt so für eine sauerstoffarme Atmosphäre.
  3. Die Schutzfolien werden von den Agarflächen abgezogen, ohne diese dabei zu berühren.
  4. Speichel wird mit einer Pipette auf die Agarflächen aufgetragen, überschüssigen Speichel lässt man durch Schräghalten abtropfen.
  5. Das Röhrchen wird nach Einführen des Agarträgers verschlossen.
  6. Die Bebrütung der aufrecht stehenden Probe erfolgt im Inkubationsschrank für 48 Stunden bei 37 °C. Eine um ein bis zwei Tage verlängerte Inkubationszeit wirkt sich nicht auf die Anzahl der Keimkolonien aus.
  7. Das Ablesen der Koloniendichte erfolgt visuell durch Vergleichen mit einer Referenzkarte. Die Einteilung erfolgt lediglich in zwei Risikoklassen:
Risikoklasse KBE (Kolonie bildende Einheiten) pro ml Speichel
niedrig < 105
hoch > 105


Modifikation des Verfahrens:

Bei guter Mundhygiene ist eine niedrige Keimzahl an Mutans-Streptokokken zu erwarten. Dennoch weist das Gebiss möglicherweise Risikostellen auf, die beispielsweise durch Dreh- und Engstände der Zähne verursacht sind oder aber im Bereich der hinteren Molaren (Backenzähne) liegen, die einer adäquaten Mundhygiene schwerer zugänglich sind. In diesen Fällen kann das Verfahren wie folgt modifiziert werden, um die Diagnostik zu verfeinern:

  1. Plaque wird mit einem feinen Pinsel von den Zahnflächen der Problembereiche entnommen.
  2. Mit dem Pinsel wird die Probe vorsichtig auf der blauen Agarfläche verteilt, ohne diese zu zerkratzen.
  3. Um genügend CO2 freizusetzen, muss die NaHCO3-Tablette mit einem Tropfen Wasser befeuchtet werden.
  4. Das Verfahren verläuft weiter wie beschrieben.

Nach der Untersuchung

Die bebrüteten Nährbodenträger können im Motivationsgespräch mit dem Patienten als Anschauungsmaterial eingesetzt werden.

Literatur

  1. Hellwig E, Klimek J, Attin T: Einführung in die Zahnerhaltung. Prüfungswissen Kariologie, Endodontologie und Parodontologie. Deutscher Zahnärzte Verlag 2009
  2. Roulet JF, Zimmer S: Farbatlanten der Zahnmedizin 16. Prophylaxe und Präventivzahnmedizin. Georg Thieme Verlag Stuttgart 2003
     
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